Freund, Feind, Parteifreund

Anlass für diesen Blogpost ist die Bekanntgabe, dass es in Tübingen eine Gemeinderatsfraktion der Piraten gibt. 2 Mitglieder der Unabhängigen Freien Wähler haben ihre Gruppierung gewechselt, sind bei uns Mitglied geworden und bilden nun unsere erste Fraktion in einem kommunalen Gremium.
Ich freue mich für die Tübinger, die kommunal unsere Themen einbringen können. Ich freue mich für Sebastian, dass er Gemeinderäte auf seiner Seite als Direktkandidat wissen kann und ich freue mich, dass diese Räte uns auch einiges beibringen können. Im Hinterkopf ist 2014: Kommunalwahl.

Dennoch: Diesen Umstand haben wir restlichen Piraten nur per Pressemitteilung, die auf unsere BaWü-Mailingliste weitergeleitet wurde, mitbekommen.
In dieser PM wurde angekündigt, dass „Hinterzimmer und Klüngelei“ nun ein Ende haben. Daraufhin kritisierte ich, dass vorher gar nichts angekündigt wurde, dass es dort überhaupt Räte in unserem Namen gibt. Auch sah ich unsere Glaubwürdigkeit beim Thema Transparenz gefährdet – und sehe dies immer noch so.

Der Ton macht ja bekanntlich die Musik: Ich gebe zu, meine Anfangsmail, war als erste Reaktion etwas scharf. Das lag aber daran, dass ich den Landesvorstand schon oft angemailt habe und konkrete Kritik und Verbesserungsvorschläge angebracht habe. Der Haken an der Sache ist, dass ich zwar Zustimmung seitens des Landesvorstands erfahren habe, aber nichts geschehen ist. Zum Beispiel ein Vorstandsportal, wie es der Bundesvorstand nutzt. Auch habe ich öfter, sei es im Mumble, persönlich oder per Mail auf das Gefühl, nichts mitzubekommen aufmerksam gemacht. Ich hatte nicht das Gefühl, dass wirklich ein Problembewusstsein und Umdenken eingesetzt ist.
Der 2. Haken: Ihr Anderen wisst das ja nicht und dachtet zurecht: Was raged der denn los?

Das alles ist aber nichtmal, was mich stört. Was mich stört ist der Umgang mit Kritik. Sebastian und andere gingen auf meine Kritik auf der Mailingliste überhaupt nicht ein. Ich war einfach nur der dumme Nörgler. Schlimmer: Auf Twitter wurde so getan, als sei ich ein bekannter dummer Troll, der die ML eh nur tyrannisiert. Ohne mich selbst zu wichtig nehmen zu wollen, kann ich sicherlich behaupten, dass dem nicht so ist.
Aber was ich mir da anhören musste, zieht mir schon die Schuhe aus. Wido warf mir zum Beispiel vor nur „unreflektiert herumzukotzen“, Lisa warf mir vor „zickig“ zu sein und der Landesvorsitzende teilt mir durch die Blume mit, dass ich wohl nicht mehr zum Presseteam gehöre. Das an einem Tag, an dem ich übrigens 2 Pressemitteilungen verfasst habe. Weitere Tweets erspare ich uns allen.

Auch wurde die Kritik der zunehmenden Intransparenz nicht nur von mit geäußert. Auch Florian, André, Tobias und Bastian äußerten diese. Übrigens alles Leute, die durch (ehemalige) Vorstandstätigkeiten und Kandidaturen schon Verantwortung übernommen haben und wissen, was das für ein Job ist – wie im Übrigen auch ich.

Dieser Tage gab es einen Bericht über die Jusos, über den wir alle sehr gelästert haben. Geht mal in euch: Sind wir wirklich besser? Ist das der neue Politikstil für den wir stehen wollen? Kritik wird hier im Landesverband schnell weggeputzt. Das war einfach der Auslöser meiner Mail. Die sehr harten Reaktionen darauf erschrecken mich und lassen mich zweifeln: Bin ich hier richtig? Ist das meine Partei? Sind das die Leute, mit denen ich gemeinsam viele Dinge bewegen will? Dazu muss man jemanden, der seit 3 Jahren Mitglied ist, der für die Piraten zu Landtagswahl antrat und auch zur Bundestagswahl kandidiert und auch sonst überall herumwuselt(e) (Demos, Treffen, Marinas, Parteitage…) erstmal bringen.

Ich habe berechtigte Sorge, dass wir uns in eine gefährliche Richtung bewegen.

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  1. Lisa

    Ja, ich habe dir vorgeworfen, dass du zickig reagiert hast. Ich hätte mich gefreut, wenn du darüber mal einen Moment nachgedacht hättest…wenn dir schon so viele Leute einen unangemessenen Tonfall ankreiden, könnte dann vielleicht was dran sein?

    Ich habe dir auch erklärt, warum du dir mit deinem Tonfall selber ins Bein schneidest: Wer sich auf so eine unkonstruktive Art und Weise äussert, dessen Inhalt wird – auch wenn er richtig und wichtig ist – nicht gehört.

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  2. Lisa

    Oh und da ich das noch vergessen hab: Dass du seit gestern auf Twitter noch unkonstruktiv nachtrittst, macht es halt auch nicht besser. Erfolg=Null, Aufregung=immens.

    Kommentar des Autors: Ich trete doch nicht nach. Wo trete ich nach? Ich kritisiere weiter, weil es offensichtlich kein Problembewusstsein gibt.

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  3. Lisa

    Ja, du kritisierst weiter. Aber auf eine unkonstruktive Art, leider.

    Nur um ein willkürliches Beispiel rauszupicken: Du twitterst, Kritik sei in diesem LV nicht erwünscht…doch ist sie und das weißt du auch. Nur dein Tonfall (ja, ich komme schon wieder darauf zurück…) war zu provokant um deine geäusserte Kritik anklingen zu lassen. Das ist halt der Unterschied zwischen „Ihr seid so intransparent, was soll das?“ und „Ich habe das Gefühl, das hier kam sehr intransparent zustande. Woran liegt das und was können wir tun um das in Zukunft zu vermeiden?“

    Ich hoffe, du verstehst was ich meine.

    Kommentar des Autors: Nein, glaube ich nicht. Ich habe Kritik geäußert und auf diese wurde inhaltlich gar nicht eingegangen. Völlig unabhängig davon, wie sie geäußert wird. Das war ja nur der Auslöser. Aber ich denke, dass sich die Wogen jetzt glätten und die nächsten Termine etc.

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  4. Ex-Pirat

    Da sagt einer (Norbert) was er denkt, in seiner bekannt offenen Art und Weise. Und er hat dabei Angst, dass es den Piraten nur noch um Parteipolitik geht, sprich machtpolitisches Denken und Handeln und nicht mehr um die politischen Werte für die die Piraten einmal standen.

    Norberts Kritik ist berechtigt, aber er findet (@Lisa] nicht die richtigen Worte, zu hart ist seine Kritik, man hätte es auch anders (weichgespülter) formulieren können. Ja liebe Lisa, du hättest es vielleicht anders ausdrücken können, abere nicht Norbert, der ist bekannt dafür, dass er Tacheles redet und nicht um den heissen Brei herum laviert. Anstelle sich mit der berechtigten Kritik von Norbert auseinander zu setzen wird er als Nestbeschmutzer gebrandmarkt. Auch das ist nicht mehr neu bei den Piraten – leider.

    Machtpolitisches Denken ist bei den Piraten angekommen und wird immer mehr der bestimmende Faktor. Einerseits verständlich, gilt es doch 2013 viele lukrative Posten zu holen. Ich habe großen Zweifel, dass die Leute, die 2013 die vielen schönen Posten haben wollen, dann auch eine Politik umsetzen würden, für die die Piratren einmal angetreten sind.

    Aber ich habe auch die berechtigte Hoffnung, dass es 2013 all die schönen, lukrativen Posten gar nicht geben wird. Im Januar 2013 ist erst einmal LTW in Niedersachsen und wie es aussieht wird da wohl eine 2 vor dem Komma stehen – ebenso ernüchternd wie berechtigt. Zwei Wochen vor der BTW wird in Bayern gewählt und auch hier wird es nicht reichen für schöne Posten. In einem der mitgliederstärksten Landesverbände wird es auch mit hoher Motivation und intensivem Wahlkampf nicht gelingen die 5% zu reissen – persönlich tippe ich auf eine 3 vor dem Komma. Das sind keine guten Voraussetzungen für einen Einzug in den Bundestag – und das ist auch gut so, gibt es doch den Piraten die Möglichkeit sich zu erneuern, zu Werten zurück zu finden. Irgendwann kann dann wieder Politik gemacht werden, frei von machtpoltischem Kalkül.

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  5. PiraToe

    Äußerungen auf Twitter wie „Herr Diekmann, tuen Sie mir einen Geefallen: Erschießen Sie sich!“ sind durch garnichts zu rechtfertigen und veranlassen zu der Empfehlung über Deinen eigenen Ton nachzudenken. Insbesondere, weil diese Äußerungen auf die Piratenpartei zurückfallen können und dann ist es eine Zumutung für uns Parteikollegen.

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