Ein langweiliger Kulturpessimist

Vor einigen Wochen schrieb Jürgen Stark, dass Kunst in Zeiten des Internets stirbt. So seien Cover von CDs beispielsweise nicht mehr wichtig. Sie würden nicht mehr gebraucht und deshalb auch nicht angefertigt. Schließlich kaufe man Musik online. Ich befürchte, dass Stark da überhaupt nicht recherchiert hat. Ich habe mir die Mühe gemacht und in sämtliche bekannte Online-Stores für Musik reingeklickt. Und da sah ich vor allem eines: Cover. Sämtliche aktuellen Hits und Chartstürmer werden schön sortiert und alle haben etwas gemeinsam: Sie stechen durch ihr Cover hervor. Wie konnte Herrn Stark das durch die Lappen gehen?

Auch schrieb er, dass man Musiker nicht mehr braucht. Inzwischen könne ja jeder mit Computerprogrammen Musik erstellen – ganz ohne ein Musikinstrument beherrschen zu müssen. Warum das ein Verlust von Kultur ist, ist mir schleierhaft. Ich finde das toll, dass sich jeder künstlerisch betätigen kann, auch wenn er kein Talent für das Piano oder die Geige besitzt. Das ist ein Gewinn und keine kulturelle Schande. Daraus ein Aufschrei à la „Die Künstler sterben aus“ zu basteln, ist völlig übertrieben. Elektronische, bzw. elektronisch erstellte, Musik ergänzen lediglich das kulturelle Angebot. Sie bereichern dieses also.
Kultur ist eben inzwischen mehr als Klassik. Kultur ist Alles und Nichts. Und das ist gut so. Die Hochkultur aus Opernhäusern wird ergänzt durch Streetart und mehr. Das ist toll und zeigt wie breit die Spannweite von Kultur ist.

Auch beklagt Stark, dass Vertreter der Musikinsutrie eben nicht mehr mit Forderungen nach der Verschärfung des Urheberrechts bei der Politik ein- und ausgehen können. Als Piraten-Politiker freue ich mich da besonders drüber. Zeigt es doch, dass ein Umdenken in der Kulturpolitik stattfindet.

Zuletzt echauffiert sich Stark in seiner Kolumne vom 29. Dezember darüber, dass künstliche Künstler erschaffen werden und veranschaulicht dies am Beispiel von „Hatsune Miku“. Diese Kunstfigur ist in Japan nicht nur musikalisch mit zahlreichen Chartplatzierungen bekannt, sondern auch aus Computerspielen und Manga-Heften. Die Frage ist: Ist das neu? Denken wir an die Band „Gorillaz“, die mit ihrem Song „Clint Eastwood“ 2001 auf Platz 2 in die deutschen Charts einstiegen. Auch diese Band besteht nur aus Strichen und etwas Farbe, die am Computer animiert wurde.

Auch kritisiert Stark, dass diese künstliche Künslter ja keine Gagen mehr brauchen und so sich die Kreativindustrie „dumm und dämlich verdient“. Ich freue mich, dass Stark endlich verstanden hat, dass es den großen Plattenlabels beim Urheberrecht nicht um die Künstler geht, sondern um die eigenen Gewinne. Dann weiß er hoffentlich auch, welche Partei er bei der nächsten Bundestagswahl wählen sollte, damit dies ein Ende hat.

Beim Lesen Starks Kolumne fühle ich mich immer an die Musiker erinnert, die bei der Einführung des Tonfilmes eine Gefahr für die Musikerberufe und Musikkultur sahen. Heute wissen wir, dass die Angst unbegründet war. Und so wird es auch weiterhin sein.

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  1. Krisch

    Hallo Dirk,

    normalerweise sollte aus den Nutzungsbedingungen hervorgehen, ob Samples aus einem Programm für eigene Werke verwertet werden dürfen. In der Regel ist das der Fall, weil solche Programme zu genau diesem Zweck angeboten werden. Allerdings gibt es hierbei keine „Default-Einstellung“, d. h., wenn in den Nutzungsbedingungen dazu nichts stehen sollte, kannst du weder davon ausgehen, dass das verboten, noch, dass es erlaubt ist. Im Zweifelsfall beim Anbieter nachfragen.
    HTH
    Krisch (@blackbuccaneer)

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