Besuch eines Biohofes

Am zweiten März war ich im Rahmen einer Veranstaltung des BUND Umweltzentrums Ortenau bei einem Besuch eines Biohofes in Hohberg-Hofweier dabei.

Landwirtschaft ist mir als „Dorfkind“ nicht fremd. Unsere Milch kommt frisch vom örtlichen Landwirt, unsere Eier auch. Auch das Fleisch des Metzgers kommt, oftmals, aus dem Ort. Kurze Wege und Qualität, die man leicht nachprüfen kann, sind die Vorteile, die wir als Kunden daraus ziehen.

Dennoch war der Besuch des „Kuhlturbauernhofes“ der Familie Egg interessant und lehrreich. Zunächst wurde uns der Hof vorgestellt und erklärt, was Bio eigentlich zu Bio werden lässt. So wurde uns erläutert, dass ein Biohof nicht von Heute auf Morgen zu einem Biohof werden kann. Der Umstellungsprozess dauert etwa zwei Jahre.

Bei Biohöfen ist es nötig, dass die Futtermittel für die Tiere komplett, oder zumindest zu einem großen Teil, von den eigenen Feldern kommen. So kämen 70% des Schweinefutters und 99% des Rinderfutters aus eigenem Anbau. Was der Hof zukauft, sind Futtermittel, die er selbst nicht herstellen kann, wie Eiweis für die Schweine oder Mineralien (Lecksteine, wenn ich das richtig verstanden habe) für die Rinder. Wichtig aber: Diese müssen auch bio, nach den Kriterien von Bioland, sein.
Der Vorteil, so wurde uns erklärt, man sei auch unabhängig von Futterlieferanten. Gerade in Zeiten von verunreinigtem Futtermittel ist dies von Vorteil. Man hat die Gewissheit, dass man nicht betroffen ist.

Der Hof hat die klassischen Bauernhoftiere: Hühner, Schweine (ca. 10) und Rinder (ca. 50). Das Wichtigste, was einem auffällt, ist die Tatsache, dass Bioschweine nicht coupiert sind. Das heißt, dass sie noch ihren Schwanz haben. In großen Mastanlagen wird der oftmals entfernt, weil sich die Tiere dort gegenseitig verletzen. Dies machen sie aber nur, weil sie zu wenig Platz und kaum Beschäftigungsmöglichkeiten haben. Schweine sind intelligente Tiere und suchen sich, ähnlich wie Hunde, dann eben selbst Beschäftigung (unterbeschäftigte Hunde machen Blödsinn: Schuhe kauen,…) und da kommt der Schwanz der anderen Tiere gerade recht.

Bei Rindern hat man ein ähnliches Merkmal: Hörner. Allerdings darf man bei Bioland enthornen (Demeter verbietet es ganz). Dafür müssen die Tiere aber betäubt werden. Das scheint in der EG-Bio-Verordnung lascher geregelt zu sein. Der Landwirt erzählte uns, dass er das macht, weil es die Verletzungsgefahr verringert (auch Rinder haben mal Meinungsverschiedenheiten), aber mit einem Jungbullen, der genetisch ohne Hörner ist, versucht er über die Zucht in den nächsten Jahren eine hornlose Herde heranzuzüchten.
Auch sind die Ställe anders organisiert. Die Tiere haben keine Boxen, sondern einen Gemeinschaftsstall (Laufstall). Das heißt, sie können sich in einem Bereich mit genügend Platz bewegen. Sowohl Schweine als auch die Rinder haben die Möglichkeit nach draußen zu gehen. Die Rinder sogar, im Frühling/Sommer, die Möglichkeit zu weiden.

Kontrolliert wird der Hof von den staatlichen Stellen. Ob die Kriterien von Bioland eingehalten werden, lässt Bioland von unabhängigen Instituten ein Mal jährlich unangekündigt prüfen. Oft sogar zwei Mal im Jahr.

Der Hof hatte auch noch einen kleinen „Streichelzoo“ bestehend aus 3 Ziegen und einem Esel.
Am Ende des Tages gab es noch ein reichhaltiges Vesper, was zum Aufwärmen auch ganz gut war 🙂

Teile diesen Inhalt:

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld