Von alten Herren und Schwangeren

Ich habe gerade in den Kalender geschaut. Da steht es schwarz auf weiß:
Wir schreiben das Jahr 2013. Dennoch werde ich das Gefühl nicht los,
dass ich in den 50ern gelandet bin.

Der Bundestag spricht sich gegen die Öffnung der Ehe für Homosexuelle
aus und führt ein Betreuungsgeld ein. Im Fernsehen erklären uns in den
Talkshows alte Männer jenseits der 80 die Welt. Die gleichen alten
Männer, die das schon in meinem Geburtsjahr taten. Und damals waren die
auch schon alt.
Liest man dieser Tage die Medien, schreien einen die Anti-Euro-Rufe der
Alternative für Deutschland an, die zurück zur D-Mark wollen. Würden sie
zur Reichsmark zurück wollen und Bismarck als Kanzler, es würde für mich
nicht weniger absurd klingen.

Und nun? Nun wollen unsere Kommunalpolitiker zurück zu den alten
Kennzeichen. Ist irgendwo die Zeit stehen geblieben? Zumindest wohl in
den Köpfen derjenigen, die die Geschicke dieses Landes führen.
Kfz-Kennzeichen sind einfach nur ein Vehikel der Verwaltung, um ein
Fahrzeug einem Besitzer zuzuordnen. Einige klammern sich hier an einer
Verwaltungsreform der 70er, als wäre das das größte Problem der Stadt
Kehl oder des Kreises.

Politiker sollen die Zukunft gestalten. Dafür werden sie gewählt. Die
Vergangenheit verwalten und neu aufwärmen ist nicht ihre Aufgabe.
Hätten sich die Stadt- und Kreisräte mal mit dem gleichen Elan für die
Kehler Geburtshilfe eingesetzt, wie sie es jetzt bei den Kfz-Kennzeichen
tun, wären wir sicherlich weiter. Aber Auto-Kennzeichen sind den (meist
älteren Herren) wohl wichtiger als schwangere Frauen und die Zukunft
ihrer Stadt. Alles bleibt beim Alten. Irgendwie traurig.

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