Piraten-Abgeordnete und Webseiten – ein Trauerspiel

Neuland also. So nennt die Kanzlerin das Internet. Für sie ist es neu. Für mich nicht. Ich kenne es nicht anders. So wie ich sahen das viele Piraten und entsprechend gab es für diese Aussage viel Häme und Spott.

Mitglieder anderer Parteien warfen uns daher Arroganz vor. Und nach einigem Überlegen komme ich zu dem Schluss, dass das nicht völlig falsch ist. Es ist zwar nicht arrogant sich über die Kanzlerin lustig zu machen, denn ihre Aussage ist einfach bezeichnend für den Breitbandausbau in Deutschland und die Netzpolitik der vergangenen Jahre, aber sind wir denn im Netz besser zu finden?

Heute haben sich einige Piraten über die Aktualität der Webseiten von Politikern lustig gemacht. So gab es wohl eine Studie der Uni Jena, die besagt, dass die Webseiten von Linken- und CDU-MdB am wenigsten aktuell seien (Wer die Studie findet: Link zu mir!).

Wenn sowas der selbstgerechte 08/15-Pirat findet, ereifert er sich ja schnell ganz fleißig, wie rückschrittlich die anderen Parteien doch sind. Doch: Sind wir so viel besser?

Wir Piraten stellen 45 Abgeordnete. Von denen haben lediglich 22 Abgeordnete eine eigene Webseite. Schlimm genug, dass die Abgeordneten der Internetpartei(TM) keine eigene Webseiten auf die Reihe bekommen. Schlimmer wird es, wenn man auf diese Webseite draufklickt.

Da offenbart sich nicht nur designtechnisch ein Desaster, man findet auch nichts, was man sucht. Grundsätzliche Informationen zum Abgeordneten und seiner Arbeit findet man nicht. Aktuelle Blogpost und Rückblicke der Arbeit auch nicht. Ich frage mich ehrlich gesagt schon, was daran so schwer ist ein einfaches WordPress aufzusetzen und dem Ganzen eines der zahlreichen Piraten-Themes überzuziehen. Überfordert das Politiker und ihr Personal? Wie glaubwürdig Abgeordnete ohne Webseite für Transparenz einstehen können, darf sich im Übrigens jeder selbst beantworten.

Der Dillentatismus fängt aber schon bei den Domains an. So findet man die Webseite des NRW-MdL Robert Stein unter „bobby79.wordpress.com“ (Immerhin: Inhaltlich gehört sie zu den Besten). Einen Domainfail leistet sich auch MdA Oliver Höfinghoff. Er bloggt unter „piratenstadt.net“. Auch kein Domainname hinter dem man einen Politiker vermuten würde. „brandsaetze.info“ vom NRW-MdL Simone Brand komplettiert dieses Bild.

Wir sollten uns bewusst werden, dass Nicknames für uns nett sind, aber der Bürger da draußen googelt den Namen seines Vertreters. Der heißt halt nunmal nicht Bobby79.

Es gibt aber auch gute Webseiten. SH-MdL Sven Krumbeck hat eine ordentlich gestaltete und mit Inhalten gefüllte Webseite. So auch MdA Christopher Lauer und die NRW-MdL Oliver Bayer und Daniel Schwerd, um mal ein paar Namen zu nennen. Nur an der Optik müssen die Herren noch ran.

Bleibt die Frage, ob wir das zur Bundestagswahl besser hinbekommen: Ja, liebe Direktkandidaten, ihr seid gemeint 😉

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  1. Pirat877

    den grundlegenden unterschied zwischen einem altparteien politiker und einem piraten hast du nicht kapiert.

    piraten wachsen im netz auf, gedeihen darin. ein fisch im wasser benötigt keine höhle in einem riff wo sein name darauf steht. das benötigen nur fremde wesen.

    du hast piratige werte bereits lange vergessen. dir geht es hier wieder nur um eines wählerstimmen, wählerstimmen, ….. aber zu piratigen werten gehört auch zu sich zu stehen und sich nicht zu verstellen und sich der meinungshoheit von hense unterzuordnen, hier geht es an kernthemen der piraten, dsa kernthema der meinungsfreiheit.

    daher steht jemand mit tirsales.de ein bisschen vor dir auf eurer landesliste

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  2. Schlumpf0815

    Ich find ja andere als unschlumpfig zu bezeichnen unschlumpfig. Weil als echter Schlumpf schlumpft man entweder oder schlumpft halt nicht. Und die schlumpfigen Werte beschwören ist halt auch unschlumpfig. Oder so ähnlich.

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  3. johnnynogo

    Wer politisch denkt und ein Amt anstrebt bzw. dann ausüben wird, muss sich mittteilen. Nur so kann der Wähler ihn kennenlernen, seine Ansichten nachvollziehen und sich ein schlüssiges Urteil bilden.
    Eine Möglichkeit ist, dies klassisch über Presse und Medienarbeit zu machen, was nur funktioniert, wenn man hier ein gewisses standing aufgebaut hat. Die andere Möglichkeit ist eben eine eigene Website. Wer darauf verzichtet, bleibt für den Bürger nicht nachvollziehbar, sein politisches Handeln nur mäßig transparent.
    In einer Partei, in der neben dem Parteiprogramm auch die Unabhängigkeit des Abgeordneten im Vordergrund steht, ist es deshalb doppelt wichtig, sein politisches Denken für andere transparent zu machen. Im Jahre 2013 ist eine Website hiefür einfach das beste Medium dazu.
    Wenn Pirat 887 sagt, „ein fisch im wasser braucht keine höhle mit….etc.“ , mag das vielleicht stimmen, aber er bleibt dann halt höchstens in seiner Filterbubble transparent, so wie die etablierten Politiktreibenden es auch sind innerhalb ihres Filterbubblesystems. 1.0 ist dann beides. Zumindest für die Bürger. Denn das Risiko, die Katze im Sack zu wählen ist gleich hoch.

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  4. Karkl K.

    Für mehr Transparenz sein und doch verstecken sich alle hinter Fantasienamen!?

    Kommentar des Autors: 100 % schließt sich das nicht aus, weil man auch durch den Nickname ja identifizierbar ist. Dennoch ist es nicht gut, einen solchen auf offiziellen Medien (eine Webseite ist genau dies) zu gebrauchen.

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