Piratenpartei – die Partei des ländlichen Raums?

Ist die Piratenpartei eine Partei des ländlichen Raums? Ich finde schon! Klar, wir sind in urbanen Strukturen stärker. In Städten, vor allem mit Hochschulen, holen wir gute Ergebnisse und sind auch personell stark vertreten, aber deshalb sind wir nicht die „Stadtpartei“.

Ich will diese Argumentation an 3 Punkten festmachen:

Breitbandausbau

Wir plakatieren „Warum habe ich hier immer noch kein Netz?„. Nicht ohne Grund! Gerade im ländlichen Raum ist Breitbandversorgung ein Dauerbrenner. Wir erleben eine Gesellschaft, die immer vernetzter ist. Ein Computer ist nicht mehr nur ein Arbeitsgerät. Es ist ein Multi-Tool. Sowohl Zeitung, als auch Unterhaltungsmedium und Fernseher sowie Telefon. Der Computer kann heute (fast) alles – über das Netz. Um dieser gesellschaftlichen Entwicklung, und dem technologischen Fortschritt Rechnung zu tragen, brauchen wir schnelles Internet überall in Deutschland.

In Finnland hat man, gesetzlich garantiert, bis in das letzte Hinterland 100 Mbit/s. Das müssen wir auch in Deutschland realisieren – und zwar zügig.

Schaffen wir das nicht, wird der ländliche Raum technologisch und gesellschaftlich abgehängt. Er könnte auch aussterben. Junge Familien fragen beim Haus- oder Wohnungskauf (oder Bau) immer öfter nach der Internetgeschwindigkeit.

Auch Unternehmen brauchen vermehrt das Netz. Sei es um Social Media-Aktivitäten zu realisieren, neue Kunden zu gewinnen oder einfach nur um eine moderne Webseite zu haben. Auch Freiberufler gibt es immer mehr. Diese können aber ihre Geschäfte, die sie meist über das Netz abwickeln, nur über das Netz tätigen. Damit diese Berufsgruppe auch im ländlichen Raum ihren Platz findet, brauchen wir schnelles Netz.

Kostenloser ÖPNV

Individualverkehr gehört der Vergangenheit an. Noch ist er im Ländlichen Raum aber wichtig. Ohne eigenes Auto kommt man kaum weg aus seinem Dorf. Deshalb wollen wir Piraten einen attraktiven und gemeinschaftlich finanzierten ÖPNV. Wir erleben jetzt schon, dass gerade ältere Menschen nicht mehr in die Städte kommen. Und wir werden alle älter. Nicht nur das: Benzin wird auch immer teurer und neue Antriebssysteme können zwar die Flexibilität, die einige Leute weiterhin brauchen werden, erhalten, sind jedoch keine Antwort auf eine immer älter werdende Gesellschaft.

Damit wir ältere Menschen, und die Leute auf den Dörfern, nicht abhängen brauchen wir diesen Lösungsweg. Es ist kein Weg von Heute auf Morgen, aber wir werden ihn gehen müssen. Angefangen bei Stadtbussystem, müssen wir in die Fläche wachsen – landkreisweit.

Deshalb müssen wir nicht in Straßen sondern vermehrt in Schieneninfrastruktur investieren. Denn nur in der Schiene liegt die Zukunft des ÖPNV.

BGE

Ja, ich bin vom BGE auch noch nicht restlos überzeugt und das bisher populärste Finanzierungskonzept (über die MwSt) halte ich für grundsätzlich falsch. Aber das BGE ist nicht umsonst gerade bei ostdeutschen Landesverbänden populär.

Wenn 2 Bundesländer den ländlichen Raum repräsentieren, dann sind das Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Gerade diese Bundesländer kämpfen mit Abwanderung.

Dies könnte uns auch in Baden-Württemberg drohen. Wir wollen aber keine einsamen Dörfer und überbevölkerte Städte. Wir wollen auch Chancen auf dem Land erhalten. Die Menschen gehen ja nicht, weil sie es so doof auf dem Land finden, sondern weil sie dort keine Arbeit mehr finden. Dies über ein BGE und einen neuen Arbeitsbegriff zu verhindern versuchen ist nicht falsch. Auch deshalb bin ich bei den Piraten, auch wenn wir über die einzelnen politischen Forderungen noch streiten.

Teile diesen Inhalt:

  1. notting

    Hallo Herr Hense!

    An sich befürworte ich einen besseren ÖPNV, aber das was Sie vorschlagen, finde ich ziemlich unsinnig.

    1. Vor allem außerhalb der typ. Schülerzeiten (insb. 9-12h, ab 17h und am Wochenende), fahren die Busse im wahnsinnig großen Takt, aber trotzdem (oder gerade deswegen) ziemlich leer. Ein AST um diese Zeiten wäre ökologisch wahrscheinlich sogar sinnvoller (wirtschaftlich wg. Auslastung der Busse/Fahrer ist leider noch ein anderes Thema).

    2. Die Busse fahren meist riesige Umwege, um auch das letzte Dorf abzuklappern. Dadurch erhöht sich die Fahrzeit ggü. dem Auto erheblich. Es gibt eben keine ASTs, die die Löcher zum 0,5h-Takt abdecken und auch keine Schnellbusse (die in der aktuellen Situation das Auslastungsproblem natürlich verschärfen würden – Henne-Ei-Problem).

    3. Die Busse fuhren als ich damit fahren musste meist zu unmöglichen Zeiten, z. B. entweder 25min vor der ersten Stunde, also entweder zu wenig Puffer (insb. an den Tagen, wo eine zu große Anzahl fauler Schüler den Bus unnötig aufhalten, weil sie ihre Monatskarte längst anderweitig beschaffen hätten können – bei mir ging’s doch meist auch) oder viel zu viel Puffer. Hab das während meiner kompletten Oberstufen-Zeit und den ersten beiden Semestern mitgemacht und bin dann entnervt auf’s Auto umgestiegen. Das krasseste war, dass ich fahrplanmäßig die Wahl hatte zwischen 7:20h und 7:45h+0:15h laufen um zur ersten Vorlesungsstunde um 8h zu kommen. Letzteres ging wg. schwerem Rucksack und meinen Füßen nicht. Der Oberhammer war, dass die Busfahrer ewig gebraucht haben, um zu kapieren, dass wenn jemand deutlich vor der FH-Haltestelle drückt, dass er nicht am Kreisschulzentrum raus will, sondern eben an der FH! 🙁

    4. Zwischen Straßburg und Offenburg fährt praktisch der komplette ÖPNV mit Diesel, egal ob Straße oder Schiene (Schiene ist komplett elektrifiziert!) -> Diesel-Feinstaub auch dank oft praktisch leerer Fahrzeuge insb. am Wochenende!
    Oh, sorry, ich vergaß, dass ja ein Radfahrer-Sturzfallen-System[1] mit zwei Haltestellen geplant ist (wo man mit dem Fahrrad wahrscheinlich eh schneller ist als mit der Tram, weil man durch die Fußgängerzone kann), die vielen Einheimischen hier überhaupt nix bringt, weil sie z. B. Richtung OG müssen, weil Frankreich für sie mangels entspr. Sprachkenntnisse jobtechn. keinesfalls in Frage kommt (weil Englisch halt meist wichtiger ist und nicht jeder ist so sprachbegabt, dass er dann auch noch Französisch auf Job-Niveau hinkriegt). Zudem wird diese wohl mit >75% Atomstrom betrieben, weil von Frankreich aus versorgt, also viel mehr Atomstromanteil als im normalen dt. Strommix?

    5. Es gibt sehr viele flächenmäßig nicht gerade kleine Gemeinden in der Ortenau, die schienentechn. extrem schlecht angebunden sind, hab mir den Streckenplan mal angesehen (Haltestellen/Ortschaften):
    – Neuried: 0/5
    – Rheinau: 0/9
    – Willstätt: 1/5 (Legelshurst)
    – Kehl: 2/11 (Kehl, Kork)
    Im Bereich der gerade genannten Gemeinden gibt’s nur morgens früh und abends sehr spät eine Fernzugverbindung und die gibt’s auch nicht tägl. (IC360/361: Straßburg – Kehl – BAD – KA – … – Stuttgart – … – München), sprich damit geht’s nur nach Norden bzw. danach nach Osten. Nach Süden geschaut hat man oft nur 5min Zeit (oder 35min oder spät abends noch viel mehr), um in OG z. B. in den Fernverkehr umzusteigen bzw. umgekehrt, was immer eine Rennerei runter und wieder rauf bedeutet 🙁
    Der Bustakt im Bahnhof Kehl passt überhaupt nicht zu den Zügen, d.h. ich muss mich auf Dienstreisen (mein Arbeitgeber sieht da standardmäßig Bahn vor – nein, kein EVU), obwohl ich direkt an einer Bushaltestelle wohne, zum Kehler Bhf. fahren lassen, damit ich nicht dort ewig Zeit verliere.

    6. Dazu komme noch die normalen Bahnprobleme: Ich kenne Leute, die mit dem Zug von OG nach FR pendeln. Mind. 1x/Monat „Personenschaden am Gleis“ oder sonstwie massive Verspätungen (z. B. weil der seit Tagen angekündigte Winter „überraschend“ angefangen hat), wo man dann mit dem Auto viel besser fährt, weil man dann in solchen Fällen wenigstens die Umleitungsstrecken nutzen kann -> Die Bahn/TGO müsste in solchen Fällen viel zügiger SEV anbieten (und ich meine nicht die Bummel-Busse, sondern Busse, die dann eben nur die entspr. Bahnhöhe anfahren), um attraktiv zu sein.

    -> Außerdem finde ich seltsam, dass Sie einerseits Bussysteme ausbauen wollen, aber andererseits nicht in die Straßen investieren wollen. Wo sollen die Busse denn fahren (die ja viel schwerer als PKW sind und deswegen gerade wenn sie mal wieder praktisch leer herumfahren die Straßen mehr schädigen als ein ähnlich besetzter PKW)? Auf Schlaglochpisten?

    Kurz: Ich finde einen Schienenausbau ÖPNV-techn. aktuell eher unwichtig, weil viele im Ortenaukreis kaum was davon haben. Lieber den straßenbasierten ÖPNV sinnvoll ausbauen, eben z. B. kleinere Busse und dafür kürzere Taktzeiten und/oder Schnellbusse oder Taktlücken mit AST verkleinern etc. (was genau am besten ist, müsste man natürlich noch herausfinden). Also Sie als Direktkandidat für diese Gegend können mich diesbzgl. nicht wirklich überzeugen.

    Noch eine Anekdote am Rande: Zu meiner Zeit sollte (mal wieder) ein Semesterticket eingeführt werden -> sogar die ÖPNV-Fahrer haben das vorgelegte Angebot abgelehnt, weil sie unterm Strich die Schülermonatskarte billiger kam! (und ich habe es eben abgelehnt, weil das Verbindungsangebot so schlecht ist)

    Gruß

    notting

    [1] Auch (Straßen-)Bahn-Schienen genannt – haben Sie eine Ahnung, was diesbzgl. alleine am letzten Kehler Hafenfest abging?! Ich hatte damals Klassenkameraden, die als Mitglieder von THW & Co. reihenweise die gestürzten Radfahrer aufsammeln mussten!

    Antworten

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld