Parlamentsdebatten früher und heute

Dieser Artikel des Spiegels hat mich zu diesem Blogeintrag inspiriert. Es geht darum, warum Plenardebatten von den großen Öffentlich-Rechtlichen Fernsehanstalten nicht mehr übertragen werden, sondern stattdessen auf Phoenix ausgelagert werden.

Der bemerkenswerteste Teil des Artikels ist folgender, denn weil es nicht mehr so ist, werden diese Debatten nicht mehr im ÖR übertragen:

Nur die Älteren werden sich daran erinnern können, dass vor 30, 40 Jahren die Leidenschaften noch ein bisschen anders verteilt waren. Und sie klangen auch anders. „Was Sie hier vorbereiten, das ist nichts anderes als der Ausverkauf deutscher Interessen!“ „Pfui! Schämen Sie sich!“ „Sie haben’s gerade nötig!“ „Das ist der Untergang des Abendlandes!“ „Hört, hört! So oder ähnlich tönte es aus dem Fernsehapparat.

Im Bildhintergrund thronte der deutsche Adler, und davor, am Rednerpult des Deutschen Bundestages zu Bonn am Rhein, polterte Franz-Josef Strauß oder Herbert Wehner, Rainer Barzel oder Hans-Jürgen Wischnewski, Willy Brandt oder Helmut Schmidt.

Stunden-, ja tagelang bis in den Abend übertrugen die beiden großen öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF damals die großen Bundestagsdebatten über die Ostverträge und die Nato-Nachrüstung, über die Vorlage des neuesten Bundeshaushalts, den Terror der RAF und die deutsche Nazivergangenheit.

Oft genug wurde das ganz große rhetorische Rad gedreht, und immer wieder schien es um Sein oder Nichtsein der Republik zu gehen, um Demokratie oder Kommunismus, die Bedrohung durch die Sowjetunion und die atlantische Solidarität mit Amerika. „Der lange Weg nach Westen“ der Bundesrepublik (Heinrich August Winkler) war mit vielen, auch schmerzhaften politischen Auseinandersetzungen gepflastert. Es gab Feindschaften und Zerwürfnisse, immer wieder aber auch gegenseitigen Respekt und Versöhnung.

Fasziniert sahen damals auch Jugendliche diesen Parlamentsdebatten zu, die zuweilen wirklich Sternstunden einer republikanischen Kultur waren – zugleich der denkbar beste Anschauungsunterricht zum Thema repräsentative Demokratie. Nicht zuletzt: Sie waren immer wieder auch sehr unterhaltsam, spannend und aufregend. Die Abstimmung über das Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Willy Brandt am 27. April 1972 verfolgten Millionen Bundesbürger live am Bildschirm. Ganze Fabrikbelegschaften standen vor dem Fernseher und fieberten mit.

Parlamentsdebatten sind heute einfach öde geworden. Das liegt nicht an der Brisanz der Themen, sondern an den vortragenden Politikern. Früher stand man am Rednerpult und unterhielt sowohl Volk als auch Plenum, während man seine Rede hielt.
Zum Beispiel wie Herbert Wehner. Er verglich Franz-Josef Strauß mit Joseph Göbbels. Daraufhin verließ die Unionsfraktion den Saal und Wehner polterte hinterher: „Wer rausgeht muss auch wieder reinkommen!“

Für einen weiteren Genuss solcher und anderer Zeilen empfehle ich die Phoenix-Doku „Das große Palaver“.

Wie die Reden heute anschauen zeige ich an einem Negativbeispiel hier aus der Region. Es geht um Sibylle Laurischk (FDP). Sie vertritt unseren Bundestagswahlkreis Offenburg um Parlament und ihre Reden sehen/hören sich folgendermaßen an:

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