Es wird wieder geschwänzt!

Dieses Jahr ist es so wieder so weit. Nachdem letztes Jahr mit viel Bramborium in Form eines Bildungsstreikes unser Schulsystem zurecht kritisiert wurde, findet man nun schon den Aufruf für das Jahr 2010.

Am 9. Juni wollen wieder viele Schüler und Studenten streiken, um auf Missstände aufmerksam zu machen.

Dazu einige Kritikpunkte von mir:

Die Schüler gehen während ihrer Unterrichtszeit auf die Straße. Das ist nichts anderes als kollektives Schuleschwänzen. Solche Schüler gehören von der Polizei zur Schule gebracht, wie es das Schulrecht vorsieht.
Außerdem tuen sich die Schüler damit keinen Gefallen. Ich als Politiker würde nie schwänzende Schüler ernstnehmen. Argumente hätte ich schnell gefunden:
Würden außerhalb der Schulzeiten auch so viele auf die Straße gehen? Wer meint es wirklich ernst?
Und wenn es so wenige sind, scheinen die Probleme ja nicht vorhanden zu sein.

Das Bündnis wird von Antidemokraten unterstützt. Unter dem Aufruf findet sich auch die Organisation Rebell. Diese ist die Jugendorganisation der marxistischen und linksextremistischen Partei MLPD.

Das wir Piraten uns in diese Liste als Unterstützer von Linksextremisten und Schulschwänzern einreihen, halte ich für sehr bedenklich.

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  1. keks

    Hi Norbert,

    ich mag es sonst nicht, mich an herausgerissenen Zitaten durch Texte zu hangeln. Habe mich bemüht, auf deine Ansichten als Ganzes zu antworten, aber durch die Zitate eine gewisse Struktur zu finden, ohne Wortklauberei zu betreiben.

    1. „Kollektives Schuleschwänzen“
    Ja, du hast Recht, dass es kollektives Schwänzen ist. Dennoch ist es ein Statement: Das Schulsystem ist Scheiße, darum gehen wir alle paar Monate auf die Straße. Die gemeinsamen Demos zeigen dabei, dass es eben mehr als klassisches Schwänzen ist. Davon ab: Wenn alles perfekt wäre im Bildungssystem, würde ja niemand an Demos während der Schulzeit teilnehmen ;).

    Kommentar vom Autor: So perfekt, dass es keine Schüler gibt, die gerne mal einen Tag Pause haben, kann ein Schulsystem gar nicht sein ;).

    2. „Solche Schüler gehören von der Polizei zur Schule gebracht“
    Ein zentrales Thema der Schulstreiks ist ja eben, dass die Schüler und Schülerinnen mehr Freiheiten und Mitbestimmungsmöglichkeiten wollen. Deine Interpretation der Schulpflicht atmet genau den Geist, dass Schüler unmündig und mit Gewalt auf Linie zu bringen seien. Damit bist du reaktionärer als die CDU. So ein absolut affirmatives Verhältnis zu geltendem Recht lähmt jeden politischen Prozess! Dabei spielen die Piraten doch schon mit ihrem Namen auf ihr ambivalentes Verhältnis z.B. zum geltenden Eigentumsrecht an. Sehr schizophren!

    Kommentar vom Autor: Die Schulpflicht halte ich für ein wichtiges Gesetz. Das Urheberrecht dagegen nicht. Und nein, die Schulpflicht sorgt nicht dafür, dass Schüler unmündig werden, sondern sorgt für Bildungszugang für alle.

    3. „Ich als Politiker würde nie schwänzende Schüler ernstnehmen“
    Die Frage ist doch: Was können die Schülerinnen und Schüler machen, um ernst genommen zu werden. Sie haben kein Wahlrecht und keine ökonomische Macht. Alles, was sie machen können, ist nerven und vielleicht Öffentlichkeit erzeugen. Und das geht mit Schulstreiks einfach verdammt gut. Wenn du eine bessere Idee hast, kannst du sie uns anderen gerne mitteilen – zumindest mich würde das interessieren. Übrigens erreichen kontroverse Protestformen genau so wie kontroverse Werbespots eine viel höhere Öffentlichkeit. Ein wenig am Rand von Recht, Ordnung und gutem Geschmack bekommt man die besten und meisten Schlagzeilen – leider.

    Kommentar vom Autor: Sie können außerhalb der Schulzeit (z.B. an einem Samstag) vor den Landtag stehen und dort zu tausenden ihren Unmut Luft machen. Wahlweise vor Ort auf den Marktplätzen. Aber außerhalb der Schulzeit. Ansonsten bleibt dieses Geschmäckle vom Schwänzer eben haften.
    Protestformen am Rand von Recht und Ordnung (Stichwort ziviler Ungehorsam) finde ich völlig ok.

    5. „Das Bündnis wird von Antidemokraten unterstützt.“
    Ich habe noch keine größere Demo gesehen, bei der ich jede unterstützende Organisation lieben würde. Genau so hat noch keine Partei je eine Wahlliste von rundum unfragwürdigen Personen hingelegt. Zum Linksextremismus: Ihr Piraten wollt es zwar oft nicht glauben, aber ihr steht in einer libertären Tradition. Das heißt, ihr seid entweder auch leichte Linksextremisten oder ihr entwickelt euch in wenigen Jahren zu einer weiteren FDP. Ihr habt sozusagen die Wahl, wovor ihr mehr Angst haben wollt: Links zu sein oder zur FDP zu werden.

    Kommentar vom Autor: Ich kenne auch keine Demo, bei der ich jede Organisation liebe, aber das Verfassungsfeinde zugelassen werden, halte cih für nicht richtig. Die NPD würdet ihr ja auch nicht zulassen – zurecht!
    Links sein, bedeutet ja nicht das man Linksextremismus gutheißen muss.
    Eine sozialliberale FDP ist übrigens u.U. gar nicht so schlimm, wie diese jetzt.

    Beste Grüße

    Keks

    Kommentar vom Autor: Ich unterstütze viele Forderungen des Bündnisses, aber diese Kritikpunkte schrecken mich vor einem Engagement ab. Ich kann als Landtagskandidat der Piraten nicht mit MLPD-Mitgliedern gemeinsam auf die Straße gehen. Zumindest nicht wenn sie als offizielle Unterstützer eingetragen sind. Wenn sie so mit ner Fahne kommen kann ich auch nichts ändern.

    P.S. Sorry, dass es so lang und an einigen Stellen dennoch so verkürzt wurde, was ich schrieb. Hoffe, du kannst trotzdem meine und deine Position und den Bildungsstreik jetzt besser verstehen.

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  2. Natural

    Harte Worte, Norbert…

    „Die Schüler gehen während ihrer Unterrichtszeit auf die Straße. Das ist nichts anderes als kollektives Schuleschwänzen. Solche Schüler gehören von der Polizei zur Schule gebracht, wie es das Schulrecht vorsieht.“
    Es ist auch ein Druckmittel und es erregt mehr Aufmerksamkeit als wenn sie sich Samstag Nachmittag irgendwo hinstellen, wie dutzende andere Gruppen auch.
    Die Demonstration aufzulösen (was du faktisch tust wenn du die Demonstranten mit Polizeigewalt in die Schulen bringst) wäre auch ein klares Statemant bezüglich ihren Forderungen.
    Der ganze Abschnitt liest sich leider ziemlich populistisch…

    „Ich als Politiker würde nie schwänzende Schüler ernstnehmen. Argumente hätte ich schnell gefunden:“
    Ja, Politiker der alten Riege würden so reagieren, einfach um die Probleme nicht annerkennen zu müssen. Aber du sagst es auch selbst, demonstrieren außerhalb der Unterrichtszeit weniger, werden sie ebenso wenig ernst genommen.
    Ich denke aber wir sollten uns solchen Argumenten gar nicht hingeben, weil wir eben wissen, teils aus eigener leidvoller Erfahrung, dass unser Schulsystem reformbedürftig ist.

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