{"id":42300,"date":"2016-11-17T13:04:47","date_gmt":"2016-11-17T12:04:47","guid":{"rendered":"http:\/\/norbert-hense.de\/?p=42300"},"modified":"2016-11-17T13:15:41","modified_gmt":"2016-11-17T12:15:41","slug":"burkini-debatte-antwort-an-frau-toemmes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/norbert-hense.de\/?p=42300","title":{"rendered":"Burkini-Debatte \/ Antwort an Frau T\u00f6mmes"},"content":{"rendered":"<p>Am 4. November <a href=\"http:\/\/www.bo.de\/lokales\/kehl\/verbot-von-badeshorts-soll-teilweise-aufgehoben-werden\">berichtete die Kehler Zeitung<\/a> aus der Sitzung des Auenheimer Ortschaftsrates. Dabei w\u00e4hlte die Ortsvorsteherin, Sanja T\u00f6mmes, Formulierungen, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/norbertwaehlen\/posts\/1458480714166078\">die ich kritisiert habe<\/a>. Ich finde, dass Frau T\u00f6mmes viele Themenfelder miteinander vermischt und damit dem gesamten Komplex nicht gerecht wird und dies der Stimmung in der Stadt abtr\u00e4glich sein kann. Sie antwortete mir daraufhin. Mit diesem Blogpost m\u00f6chte ich wiederum auf ihr Antwortschreiben sehr umfassend eingehen. Daher zitiere ich es hier in kompletter L\u00e4nge mit dem Einverst\u00e4ndnis von Frau T\u00f6mmes.<!--more--><\/p>\n<p>Sehr geehrte Frau T\u00f6mmes,<\/p>\n<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Hense, <\/p>\n<p>schade, dass Ihr offener Brief an mich nicht pers\u00f6nlich bei mir gelandet ist. In der heutigen Zeit gibt es viele M\u00f6glichkeiten jemandem eine Nachricht zukommen zu lassen: Post, Email, SMS, WhatsApp oder auch einfach jemanden bei Facebook markieren, damit er die ihn betreffende Nachricht auch erhalten kann. Au\u00dferdem kennen Sie auch den Weg nach Auenheim. Vor der Landtagswahl haben Sie es ja auch geschafft, mich hier zu besuchen und mir zu erz\u00e4hlen, warum Sie der richtige Kandidat f\u00fcr unseren Wahlkreis sind. Ich erfuhr \u2013 Danke an Herrn Egg \u2013 von der Kehler Zeitung von Ihrem offenen Brief an mich. Und wie sich das geh\u00f6rt, antworte ich nat\u00fcrlich. Anstand wurde mir beigebracht \u2013 auch als Kind aus einem Gastarbeiterhaus!<\/p><\/blockquote>\n<p>Zugegeben: Den Schuh muss ich mir anziehen lassen. Ich h\u00e4tte Sie informieren sollen \u00fcber meinen Facebook-Post. Umso mehr freue ich mich \u00fcber Ihre Antwort!<\/p>\n<p>Bei der Landtagswahl ging es mir darum Informationen \u00fcber Aktivit\u00e4ten und Probleme vor Ort zu erfahren. Ich habe das bisher bei jeder Wahl so gehandhabt mit den (Ober)B\u00fcrgermeister*innen ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Auch weil, w\u00e4re ich gew\u00e4hlt worden, ich ja mit den Akteuren vor Ort zusammenarbeiten muss und will. Als Kehler hatte ich Interesse mehr \u00fcber meine Heimatstadt zu erfahren und habe die Ortsvorsteher*innen ebenfalls besucht. Ich w\u00fcrde das wieder so machen. Ich fand die Gespr\u00e4che &#8211; auch unseres, Frau T\u00f6mmes &#8211; sehr erhellend und sinnvoll.<\/p>\n<blockquote><p>Ich m\u00f6chte Sie fragen, wo Sie all die Jahre gesteckt haben, als die Jugendlichen und M\u00e4nner mit Badeshorts nicht ins Schwimmbad durften? Ohne Badeshorts ins Wasser \u2013 das war auch f\u00fcr meinen Sohn ein No-Go. Mein Sohn wurde ausgegrenzt. ABER: ich bin nicht auf die Barrikaden gegangen. Es war eine Verordnung, die die Qualit\u00e4t des Wassers gew\u00e4hrleisten sollte. Das habe ich so akzeptiert und mich dementsprechend angepasst. Man muss sich ja auch ein bisschen auf die Meinung von Fachleuten verlassen k\u00f6nnen, sonst br\u00e4uchte man sie nicht. Demnach wurden viele Jugendliche und M\u00e4nner, denen seit 2007 verboten wurde mit Badeshorts die Kehler B\u00e4der zu benutzen, jahrelang ausgegrenzt, weil (und jetzt kommt\u2019s) die Wasserqualit\u00e4t nie gef\u00e4hrdet gewesen sein soll? Und genau hier setze ich mit \u201emeiner Meinung\u201c (die ich \u00e4u\u00dfern darf) an. Wenn wir pl\u00f6tzlich \u00fcber Burkinis reden, \u00e4ndern sich alle Vorschriften und Satzungen? Damals hat man sich also getraut das Grundgesetz zu missachten, heute tut man sich aber schwer damit, weil es Muslime betrifft? Der Ortschaftsrat hat sich gegen Burkinis in unserem Freibad ausgesprochen, weil es die Regelung mit den Badeshorts bereits seit Jahren gab. Und jetzt erkl\u00e4ren Sie mir mal bitte, wie Badeshorts die Qualit\u00e4t gef\u00e4hrden und Burkinis sollen das nicht? Wir haben niemals von Weltanschauung und Religion gesprochen, sondern lediglich auf die Unvereinbarkeit des bestehenden Verbots mit der Zulassung von Burkinis gesprochen. Letztendlich sind andere auf den Zug gesprungen alles unter \u201ereligi\u00f6sen Aspekten\u201c zu betrachten. <\/p><\/blockquote>\n<p>Einen Unterschied zwischen Badeshorts und Burkini sehe ich dennoch. Selbst ganz ohne Grundrechte-Aspekt. Shorts werden oft als Stra\u00dfenbekleidung getragen und sind daher deutlich st\u00e4rker verschmutzt. Dieses Argument kann ich zumindest nachvollziehen. Burkinis hingegen werden, wie Badehosen auch, aus einem anderen Material hergestellt. Auch weniger saugf\u00e4hig ist dieses Material. Daher finde ich die Unterscheidung legitim, wenngleich ich sie selbst doof finde. Aber ich kann sie akzeptieren.<\/p>\n<p>Bei dem Verbot von Badeshorts, wenn wir den Grundrechte-Aspekte mal weiterdenken, wird nur das Recht der allgemeinen Handlungsfreiheit eingeschr\u00e4nkt. Etwas, das &#8211; je nach Grund &#8211; verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig leicht geht. Ein Grundrecht wie die Religionsfreiheit kann jedoch &#8211; selbst von privaten Badbesitzern &#8211; kaum eingeschr\u00e4nkt werden. Lediglich durch ein konkurrierendes Grundrecht. Dann muss man gewichten &#8211; was im \u00dcbrigen sehr schwer ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr B\u00e4der in \u00f6ffentlicher Hand, wie es das Freibad in Auenheim ist, gilt dies umso mehr. Denn der Staat muss sich neutral verhalten und Grundrechte sind hier in weit st\u00e4rkerem Ma\u00dfe zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<blockquote><p>Daraufhin habe ich mich auch mit der religi\u00f6sen Argumentation besch\u00e4ftigt und siehe da, folgendes gefunden:<br \/>\nDer Koran fordert weder explizit die Pflicht zum Tragen eines Kopfschleiers, noch die Vollverschleierung von Kopf bis Fu\u00df. Der Koran spricht nur davon, dass die Frauen sich zu ihrem eigenen Schutz z\u00fcchtig bedecken sollen: \u201eO Prophet! Sprich zu deinen Ehefrauen und T\u00f6chtern und zu den Frauen der Gl\u00e4ubigen, sie sollen ihre Gew\u00e4nder tief \u00fcber sich ziehen. So ist es am ehesten gew\u00e4hrleistet, dass sie erkannt und nicht bel\u00e4stigt werden. Gott aber ist barmherzig und bereit zu vergeben (Sure 33,59).<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich m\u00f6chte nun keine Diskussion \u00fcber das islamische Recht f\u00fchren. Das w\u00fcrde hier viel zu weit f\u00fchren und da sind solche Briefe nicht der geeignete Rahmen (und ich selbst auch nicht der beste Referent). Aber, da ich eine Vorlesung der Islamwissenschaft zum Thema &#8222;Religion und Kultur des Islam&#8220; besucht (und die Klausur sehr ordentlich bestanden) habe, ma\u00dfe ich mir &#8211; ganz vorsichtig! &#8211; an hier etwas einordnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dazu muss ich etwas ausholen: Zun\u00e4chst ist wichtig, dass es DAS islamische Recht nicht gibt. Die Scharia ist kein fertiges Buch, dass man aus dem Regal holt und man dort alle Regeln nachlesen kann. Es gibt im Islam viele verschiedene (historisch-kulturell gewachsene) Rechtsschulen und -praxen. Es gibt auch verschiedenste Rechtsquellen. Die beiden Wichtigsten sind der Koran (als Wort Gottes) und die Sunna (Brauch). Die Sunna sind durch Hadithe (Erz\u00e4hlungen) \u00fcberlieferten Handlungen des Propheten.<\/p>\n<p>Um den Koran zu verstehen muss man etwas Kontext beimischen. Offenbarungsanl\u00e4sse sind wichtig, um die Suren und Verse korrekt einordnen zu k\u00f6nnen. Also: Warum wurde der Vers entwickelt? Auf welche Ereignisse nimmt er Bezug? Der Koran bedarf viel mehr Informationen VOR dem Lesen, als beispielsweise die Bibel. Auch ist es wichtig eine gute \u00dcbersetzung zu finden, wenn man dem Arabischen nicht m\u00e4chtig ist. Selbst da sollte man aufpassen, dass man keine Ausgabe erwischt, die bestimme Kreise f\u00fcr ihre Zwecke missbrauchen (beispielsweise die LIES-Kampagne der Salafisten). Im Arabischen hat man sich auf die Kairiner Koranausgabe von 1924 geeinigt. In deutschen Wissenschaftskreisen ist die \u00dcbersetzung von Hartmut Bobzin anerkannt.<\/p>\n<p>Im \u00dcbrigen interpretieren Sie den Koran an dieser Stelle korrekt: Es geht im Kern darum, dass die Frauen von Mohammed sowie gl\u00e4ubige Muslimas vor \u00dcbergriffen gesch\u00fctzt sind. Man sollte sie &#8211; und ihren hohen sozialen Rang &#8211; erkennen. Gerade zur Unterscheidung von Sklavinnen. Dennoch hat sich \u00fcber die Jahrhundete eine &#8211; regional enorm verschiedene &#8211; Kopftuchpraxis entwickelt:<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/norbert-hense.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/tumblr_n5spab3Lin1tbi7ljo1_1280.jpg\" alt=\"tumblr_n5spab3lin1tbi7ljo1_1280\" width=\"736\" height=\"883\" class=\"alignnone size-full wp-image-42305\" \/><\/p>\n<p>Aber auch unabh\u00e4ngig, wie man den Koran an dieser Stelle interpretiert, ist es ein Fakt, dass  viele Gl\u00e4ubige ihn so interpretieren, dass sie selbst das Kopftuch tragen sollen. Da Dritte aus dieser Auslegung keinen Schaden haben, ist hier die Glaubensfreiheit zu gew\u00e4hren. Der Politik steht es nicht zu, zu bestimmen, wie Gl\u00e4ubige die Quellen ihres Glaubens auszulegen haben.<\/p>\n<blockquote><p>Sie weisen mich darauf hin, dass es auch \u201eGesetze\u201c in der Bibel gibt? Folglich m\u00fcssen wir auch die Gesetze des Korans zulassen? Warum? Wir m\u00fcssen uns nur an die Grundgesetze und die zehn Gebote halten! Mehr nicht! <\/p><\/blockquote>\n<p>Bei meinem Hinweis geht es mir weniger um Sie, als ganz allgemein darum, dass es auch in der Bibel Speisevorschriften gibt, die teilweise (nicht mehr) eingehalten werden (m\u00fcssen). Mir ging es au\u00dferdem darum aufzuzeigen, dass die Speisevorschriften zu gro\u00dfen Teilen diesselben sind. \u00dcberhaupt gibt es zwischen dem Islam und dem Christentum (bzw. der Bibel) viele Gemeinsamkeiten: Beide glauben an den gleichen Gott. Viele Geschichten der Bibel und des Korans gleichen sich. Beide kennen Jesus (wenngleich Muslime ihn nur als Propheten, nicht als Sohn Gottes sehen). Beide Gruppen Fasten &#8211; sogar aus denselben Beweggr\u00fcnden. Das Gebot der N\u00e4chstenliebe kennt der Islam ebenfalls: Die Armensteuer, bei der es darum geht, dass Wohlhabende mit den Armen teilen und man f\u00fcreinander einsteht. Mir geht es darum, dass es deutlich mehr gibt, was uns alle in Deutschland verbindet, als trennt. Warum besinnen wir uns aber nur auf das Trennende?<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns im \u00dcbrigen weder an das Grundgesetz, noch an die 10 Gebote halten. Das Grundgesetz regelt den Aufbau unseres Gemeinwesens. Es setzt dem Staat, nicht dem B\u00fcrger, Grenzen in seinem Handeln. Dem B\u00fcrger r\u00e4umt es viel mehr Verteidigungsrechte gegen\u00fcber dem Staat ein. Halten muss man sich an geltende Gesetze. Das tue ich. Sie auch. Die 10 Gebote sind f\u00fcr Christen (aber auch f\u00fcr andere) ein guter Leitfaden f\u00fcr das Zusammenleben. Das ist gut so, aber ich als s\u00e4kularer Mensch finde mich da nicht wieder. Das, was in den 10 Geboten steht, teile ich aus anderen ethischen, moralischen und politischen Gr\u00fcnden. Ich habe aber Verst\u00e4ndnis und Respekt vor anderer Leuten Glauben und finde es gut, wenn sie Halt und Kraft in ihm finden. Auch finde ich es legitim, wenn sie politische Positionen aus ihm ableiten &#8211; egal welchem Glauben sie dabei angeh\u00f6ren.<\/p>\n<blockquote><p>Wie weit wollen Sie gehen? <\/p><\/blockquote>\n<p>Bereits bis hier hin haben Sie im \u00dcbrigen wieder das getan, was ich an Ihren Aussagen kritisiert habe: Sie laden eine Entscheidung v\u00f6llig unn\u00f6tig auf. Es geht hier nicht um einen Kultur- oder Glaubenskrieg. Ich m\u00f6chte Sie, liebe Frau T\u00f6mmes, eindringlich davor warnen! Sie vermengen, auch in diesem Schreiben hier, alle m\u00f6glichen Themen, die mit der urspr\u00fcnglichen Debatte nichts zu tun haben. Genau das werfe ich Ihnen vor. Dennoch antworte ich geduldig und erkl\u00e4re und hoffe, dass ich etwas Verst\u00e4ndnis schaffen kann. Ob es mir gelingt?<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Und wenn ihr bei denjenigen von euren Frauen, die keine Menstruation mehr erwarten, (irgendwelche) Zweifel hegt, soll ihre Wartezeit (im Fall der Ehescheidung) drei Monate betragen. Ebenso bei denen, die (ihres jugendlichen Alters wegen noch) keine Menstruation gehabt haben. &#8220; &#8230; (Sure 65, 4) Es wird somit die Existenz von Ehen auch noch nicht geschlechtsreifer weiblicher Personen als gesellschaftliche Realit\u00e4t best\u00e4tigt. Wenn der Koran von der Scheidung von Minderj\u00e4hrigen M\u00e4dchen spricht, dann ist logischerweise die Heirat solcher auch erlaubt. Lieber Herr Hense, teilen Sie also die Meinung unserer Integrationsbeauftragten Aydan \u00d6zoguz (SPD), dass man Kinderehen nicht pauschal verbieten sollte? Ist es das wirklich, was wir unter Religionsfreiheit zu verstehen haben?<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich verweise an dieser Stelle nochmals auf meine obigen Ausf\u00fchrungen zum islamischen Recht.<\/p>\n<p>In Sachen Kinderehe (was auch immer diese mit dem urspr\u00fcnglichen Thema zu tun hat&#8230;) vertrete ich die Position, dass dies ein juristisch sehr schwieriges Feld ist. Und bevor mir als Gr\u00fcnen gleich wieder P\u00e4dophilie unterstellt wird (h\u00e4tte ich f\u00fcr jedes &#8222;Gr\u00fcner Kinderficker!&#8220; am Wahlkampfstand eine Stimme mehr bekommen, dann s\u00e4\u00dfe ich jetzt mit sattem Vorsprung im Landtag!), m\u00f6chte ich alle Leser*innen bitten aufmerksam meiner Argumentation zu folgen &#8211; auch wenn sie danach zu einem anderen Schluss kommen. Das ist ja schlie\u00dflich legitim.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst haben wir die klaren Regeln des \u00a7 1303 BGB. Eheschlie\u00dfung ist in Deutschland erst mit der Vollj\u00e4hrigkeit (18 Jahre) erlaubt. Es gibt die Ausnahme, dass man auch bereits mit 16 Jahren heiraten kann, wenn ein*e Partner*in bereits 18 Jahre alt ist. Das wollte &#8211; bisher &#8211; niemand \u00e4ndern. Inzwischen mehren sich jedoch die Stimmen, die diese Ausnahmeregelung abschaffen wollen. Ich bin sowohl f\u00fcr Beibehaltung als auch f\u00fcr Abschaffung offen. Es gibt f\u00fcr beides sehr gute Argumente. Meine Meinungbildung ist da noch nicht abgeschlossen.<\/p>\n<p>Nun haben wir mit der gro\u00dfen Anzahl von Schutzsuchenden die Konfrontation damit, dass legal (nach den Gesetzes des jeweiligen Herkunftslandes) abgeschlossenen Ehen mit Minderj\u00e4hrigen vorhanden sind. Wir m\u00fcssen nun eine Position und Praxis finden, wie wir mit dieser Tatsache umgehen. Ein pauschales Annulieren aller Ehen ist deshalb problematisch, weil auch Deutschen im Ausland rechtliche Besonderheiten aus ihrer Heimat zugestanden werden. Hier geht es also, um die &#8211; teilweise &#8211; Anerkennung von Rechtspraxen. Nun ist die Kinderehe ein besonders heikles Eisen und die komplette Akzeptanz kann meines Erachtens auch nicht die L\u00f6sung sein. Ich pl\u00e4diere f\u00fcr den Zwischenweg, dass jede Ehe von deutschen Familiengerichten genau beleuchtet werden sollte. Ich habe dabei vollstes Vertrauen in unseren Rechtsstaat und in die Richter*innen, die im Kindeswohl handeln und eine gute, wohl\u00fcberlegte Entscheidung treffen werden. Genau das passiert im Moment im \u00dcbrigen auch. Mit dem Ergebnis, dass manch Ehe annuliert und andere Ehen auch anerkannt werden.<\/p>\n<blockquote><p>Peter Szymaniak: \u201eWer als Eltern seine Tochter nur Ganzk\u00f6rper-verh\u00fcllt in Schwimmb\u00e4der schickt, der schadet &#8211; zumindest in dieser Gesellschaft, in der die Familie ja leben will &#8211; seinem Kind: Das M\u00e4dchen wird ausgegrenzt, wird vielleicht sogar verspottet. Da muslimische Jungs keinen Burkini tragen m\u00fcssen, ist jede so verh\u00fcllte Frau ein herber R\u00fcckschlag im Kampf um mehr Gleichberechtigung der Geschlechter. Der Burkini entspringt zudem einer \u00fcblen reaktion\u00e4ren Sexualmoral, die Jungs und M\u00e4nner als unkontrollierbare Triebt\u00e4ter einstuft und deshalb das Zeigen nackter Arme verbietet. Was f\u00fcr ein Menschenbild!\u201c <\/p><\/blockquote>\n<p>Die Argumentation von Herrn Szymaniak kann ich nachvollziehen. Aber: Werden M\u00e4dchen wegen des Tragens von Burkinis verspottet, dann sind sie zu sch\u00fctzende Opfer von Mobbing und Ausgrenzung und an diesem nicht selbst schuld. Es muss in diesem Land m\u00f6glich sein, dass ein M\u00e4dchen &#8211; ja jeder Mensch! &#8211; das anziehen kann, was er will. Ganz gleich, wie andere das finden.<\/p>\n<blockquote><p>Ich verurteile im \u00dcbrigen nicht, dass es Halal-Essen an Schulen gibt, sondern ich verurteile nur, dass es Schulen gibt, die NUR Halal-Essen anbieten, weil der Aufwand f\u00fcr die Vielfalt an Speisen sonst zu gro\u00df w\u00e4re. Also haben Kinder, die gerne Schweinefleisch essen, pl\u00f6tzlich keine Wahl mehr! <\/p><\/blockquote>\n<p>Kinder die gerne Schweinefleisch essen! Frau T\u00f6mmes, ich bitte Sie! Kinder essen gerne Pommes und Chicken Nuggets mit viel zu viel Ketchup. Davon abgesehen: Ich bekomme in der Mensa der Universit\u00e4t Freiburg auch nicht jeden Tag mein Leibgericht.<\/p>\n<p>Im \u00dcbrigen hat Halal-Essen nicht nur etwas mit dem Verbot von Schweinefleisch oder der Schlachtung von Tieren zu tun. Halal ist das arabische Wort f\u00fcr &#8222;erlaubt&#8220; und beschreibt somit alle Speisen, die erlaubt sind. Das f\u00e4ngt bei A, wie Apfel, an und h\u00f6rt bei Z, wie Zitrone, auf.<\/p>\n<blockquote><p>Mich wundert auch, dass Sie gegen diese Form des Schlachtens als Gr\u00fcnen-Politiker nichts einzuwenden haben. Diese Form der Tierqu\u00e4lerei m\u00fcsste Sie eigentlich auf die Palme bringen. Aber Sie regen sich ja lieber auf \u00fcber die unverantwortliche Ortsvorsteherin ohne Spitzenamt in der Politik! K\u00f6stlich!\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Gegen die Halal-Schlachtung in Deutschland gibt es nichts einzuwenden. Hier herrscht auch ein gro\u00dfes Missverst\u00e4ndnis vor: In Deutschland ist die Schlachtung von Tieren lediglich mit Bet\u00e4ubung erlaubt. Eine Halal-Schlachtung ist dennoch m\u00f6glich. Im Kern geht es darum, dass das Tier sauber ausbluten soll. Ja, die Bet\u00e4ubung ist auch umstritten, aber hier gibt es eben verschiedene Lehrmeinungen (wie ich oben schon beschrieben habe. Es gibt nicht DIE Scharia). Die Einen sagen, dass die Bet\u00e4ubung notwendig ist, weil das Tier nicht leiden soll (hierzu gibt es ebenfalls zahlreiche Suren, die den Respekt vor den Gesch\u00f6pfen Gottes verdeutlichen), andere sehen diesen Weg nicht.<\/p>\n<p>Wir tun hier als Deutschland gut daran eine L\u00f6sung gemeinsam mit den Glaubensverb\u00e4nden zu finden, damit wir j\u00fcdisches und muslimsiche Leben nicht verunm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich m\u00f6chte ich noch anf\u00fcgen, dass ich zu diesem Thema ganz oft von Menschen angesprochen werde, die selbst vermutlich nie im Bio-Laden oder beim \u00f6rtlichen Metzger Fleisch kaufen. Im Gegensatz zu diesen Menschen engagiere ich mich ganz entschieden gegen tierqu\u00e4lerische Massentierhaltung.<\/p>\n<blockquote><p>Ich habe viele muslimische Freunde. Ich bin in einem Stuttgarter Stadtteil mit sehr hohem Gastarbeiter-Anteil aufgewachsen und ich verrate Ihnen nun etwas, dass Sie gerne f\u00fcr sich behalten d\u00fcrfen aber auch gerne in die weite Welt schreien d\u00fcrfen: Keine meiner muslimischen Freundinnen musste sich vermummen, keine musste vom Schwimmunterricht fern bleiben (sie trugen einfach \u2013 so wie ich \u2013 einen Badeanzug), zogen sich mit uns nach dem Handballtraining in einer Umkleide um, sa\u00dfen bei uns am Tisch und a\u00dfen mit uns zu Mittag, obwohl wir Schweine-Schnitzel mit Pommes auf dem Teller hatten. Und wir hatten Spa\u00df: Ja, wir tranken auch Alkohol und tanzten in Discos ab, ohne dass uns jemand begrabschte oder angriff, weil wir zu freiz\u00fcgig angezogen waren. Die Eltern meiner Freunde wollten, dass ihre Kinder frei sind. Und siehe da: Meine muslimischen Freunde wurden \u00c4rzte, Ingenieure und Anw\u00e4lte, heirateten \u201eUngl\u00e4ubige\u201c und sind gl\u00fccklich und zufrieden und lieben das Land, dass ihnen dies erm\u00f6glicht hat. Viele meiner muslimischen Freundinnen haben sogar Angst vor diesem radikalen Islamismus, der nichts mit ihrer Religion zu tun hat. <\/p><\/blockquote>\n<p>Diese muslimische Freunde kenne ich \ud83d\ude42<\/p>\n<blockquote><p>\u00dcbrigens: Satzungen werden sehr wohl vom Gemeinderat verabschiedet \u2013 auch eine B\u00e4dersatzung, die solche Dinge wie \u201eBadekleidung\u201c zu regeln hat. Wenn Sie bei Gelegenheit mal Zeit h\u00e4tten an einer Sitzung teilzunehmen oder einen Blick auf die Hauptsatzung werfen w\u00fcrden, w\u00e4re Ihnen sicher ein solcher Satz wie: \u201eauch wenn ich Badebekleidung nun wahrlich nicht f\u00fcr eine solch hochpolitische Entscheidung, dass man damit den Gemeinderat zwingend einbeziehen muss, halte.\u201c nicht einfach so herausgerutscht. Aber Sie verbringen ja die meiste Zeit in Freiburg. Da kann man sich selbstverst\u00e4ndlich nicht ausreichend um Themen der Stadt Kehl k\u00fcmmern. Daf\u00fcr habe ich Verst\u00e4ndnis.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ja, ich verbringe viel Zeit in Freiburg. Aber ich lasse mir nicht absprechen mich nicht f\u00fcr meine Heimatstadt zu interessieren. Im Gegenteil: Ich habe ja ganz bewusst schon 2x bei Kommunalwahlen teilgenommen. Als Vorsitzender des DRK \u00fcbernehme ich ebenfalls Verantwortung in unserer Stadt. Ich kann leider nicht auf Sitzungen sein, gleiche dies aber durch einen guten Draht zu unseren Mandatstr\u00e4gern aus. Au\u00dferdem lese ich aufmerksam die Kehler Zeitung und den Stadtanzeiger\/Guller und versuche so auf dem Laufenden zu bleiben.<\/p>\n<p>Mir ging es au\u00dferdem darum, deutlich zu machen, dass Kehl gr\u00f6\u00dfere Probleme und Projekte zu bew\u00e4ltigen hat, als diese &#8211; so empfinde ich es &#8211; Provinzposse. Davon abgesehen k\u00f6nnte ich jedoch gut damit leben, dass die Leiter der B\u00e4der selbst Verantwortung \u00fcbernehmen. Aber vermutlich haben Sie Recht, dass eine gute Satzung der bessere Regelungsweg ist.<\/p>\n<blockquote><p>Sie haben bestimmt die vollverschleierte Nora Illi bei Anne Will in der ARD gesehen! Ja, hier k\u00f6nnten Sie sich bitte mal aufregen! Wie ist es nur m\u00f6glich in einem Land wie Deutschland \u00f6ffentlich Propaganda f\u00fcr den radikalen Islamismus zu machen? Wie weit geht Ihre \u201eReligionsfreiheit\u201c von der Sie in Ihrem Schreiben an mich sprechen? Wachen Sie auf, Herr Hense, die Menschen hier haben Angst vor dieser \u00dcberfremdung. Diese \u201eKleingeister\u201c &#8211; wie Sie sie nennen &#8211; haben Angst vor Menschen, die unsere Kultur und unsere Werte nicht akzeptieren wollen und k\u00f6nnen \u2013 genau deshalb, weil es ihnen ihre Religion anscheinend verbietet. Wir leben in einem Multi-Kulti-Staat. Aber dieser funktioniert nur deshalb seit Jahren gut, weil die Menschen bereit waren, sich der Kultur hier anzupassen. Wer das nicht getan hat \u2013 und solche gibt es auch \u2013 lebt in einer Parallelwelt, mitten in Deutschland! <\/p><\/blockquote>\n<p>Wer sagt denn, dass ich mich dar\u00fcber nicht aufrege? Aber: Ich gucke diese Sendungen abends sehr selten bis gar nicht mehr, weil ich mich beim Schauen eben viel zu stark und zu h\u00e4ufig aufrege.<\/p>\n<p>Gerne k\u00f6nnen wir jedoch \u00fcber \u00c4ngste reden. Aber: Sprechen wir mal nicht \u00fcber die \u00c4ngste von Pegida, AfD und Co, sondern sprechen wir \u00fcber meine \u00c4ngste. Ich habe n\u00e4mlich auch Angst. Ich habe Angst, dass es einen gesellschaftlichen Rollback gibt. Ich habe Angst, dass weitere Fl\u00fcchtlingsheime angez\u00fcndet werden. Ich habe Angst, dass \u00dcbergriffe von Rechten auf Menschen, die diese f\u00fcr nicht deutsch erachten (Was ist eigentlich &#8218;Deutsch&#8216;?), noch weiter zunehmen. Ich habe Angst, vor den Menschen, die meinen homosexuellen Freunden in der Stadt hinterherbr\u00fcllen. Davor habe ich Angst. Warum reden wir nie dar\u00fcber? Ich h\u00f6re immer &#8222;Man muss \u00fcber alles reden k\u00f6nnen!&#8220; Ja, au\u00dfer es ist der Veggie Day, die Homo-Ehe, die Doppelte Staatsb\u00fcrgerschaft, Moscheen in Innenst\u00e4dten oder Sexualkunde mit queeren Lebensentw\u00fcrfen. Dar\u00fcber k\u00f6nnen wir dann leider nicht reden. Warum eigentlich nicht?<\/p>\n<p>\u00dcberfremdung finde ich im \u00dcbrigen ein schreckliches Wort. Fremder als Rechte, Nazis, &#8222;besorgte B\u00fcrger&#8220;, L\u00fcgenpresse-Gr\u00f6hler und Homophobe kann mir doch kaum wer sein. Niemand kann sich weiter von meinen Werten und Inhalten, an die ich glaube, entfernen.<\/p>\n<p>Eine Parallelwelt sehe ich im Moment eher am rechten Rand der Gesellschaft entstehen. Fakten und \u00fcberpr\u00fcfbare Analysen gelten dort nicht mehr. Plumpe Stimmungsmache wird auf Facebook rumgereicht und auch nach einem klaren Gegenbeweis, wird dieser nicht angenommen. Das ist f\u00fcr mich auch eine Parallelwelt, die mit meiner Lebensrealit\u00e4t nichts zu tun hat.<\/p>\n<p>Kultur ist nichts statisches. Kultur ist menschengemacht und im Wandel. Ich finde den Erhalt von Brauchtum auch gut. Aber wenn etwas wegf\u00e4llt, entsteht auch wieder Neues. Ich werbe da f\u00fcr Brauchtumspflege, aber eben auch f\u00fcr Offenheit. Wir alle gestalten die Kultur in der wir leben und vieles hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt in unserer Kultur. Ich habe nicht das Gef\u00fchl, dass wir uns zur\u00fcckentwickelt haben. Im Gegenteil!<\/p>\n<p>Ich spreche gerne mit den Menschen \u00fcber ihre \u00c4ngste, aber manch einer muss auch bereit sein, einzugestehen, dass er Unrecht hatte. Oft muss man auch Akzeptieren, dass das, was man kritisiert, mit dem eigentlichen Problem, das man in seinem Leben hat, auch gar nichts zu tun hat. Das erlebe ich im \u00dcbrigen sehr oft im Gespr\u00e4ch. Es geht den Menschen oft gar nicht um &#8222;die Fl\u00fcchtlinge&#8220; oder &#8222;die Ausl\u00e4nder&#8220;, sondern um meist sehr konkrete, selbst erfahrene Ungerechtigkeiten.<\/p>\n<p>Daher finde ich es umso wichtiger, dass sich Mandatstr\u00e4ger*innen nicht an solchen Stimmungen beteiligen. Politik kann keine \u00c4ngste nehmen. Aber Politik kann Probleme l\u00f6sen. Also habe ich die Bitte, dass wir gemeinsam an L\u00f6sungen arbeiten. Es gibt genug zu tun, aber ich bin optimistisch, dass wir gemeinsam die Welt zu einem besseren Ort machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<br \/>\nNorbert Hense<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 4. November berichtete die Kehler Zeitung aus der Sitzung des Auenheimer Ortschaftsrates. 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