{"id":42446,"date":"2020-08-17T19:39:51","date_gmt":"2020-08-17T17:39:51","guid":{"rendered":"https:\/\/norbert-hense.de\/?p=42446"},"modified":"2021-03-09T21:35:04","modified_gmt":"2021-03-09T20:35:04","slug":"rede-nominierungsveranstaltung-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/norbert-hense.de\/?p=42446","title":{"rendered":"Rede Nominierungsveranstaltung II"},"content":{"rendered":"<p>Dies ist das Manuskript* meiner Rede, die ich auf der Nominierungsveranstaltung im Landtagswahlkreis Kehl gehalten habe. Leider wurde ich nicht zum Landtagskandidaten gew\u00e4hlt. Im 3. Wahlgang (1. Wahlgang: 2:8:10:12; 2. Wahlgang: 6:13:13) musste ich mich mit 14 zu 18 stimmen unserem Kandidaten Bernd Mettenleiter geschlagen geben. Als Ersatzkandidat wurde Achim Joos bestimmt.<!--more--><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Nominierungsrede im Wahlkreis Kehl zur Landtagswahl 2021 in BaW\u00fc\" width=\"876\" height=\"493\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/6YBD32LDmu8?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>*Es gilt das gesprochene Wort. Man weicht ja gerne mal vom Manuskript ab und ich habe auch ein paar S\u00e4tze aus Zeitgr\u00fcnden \u00fcbersprungen.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Liebe Freundinnen und Freunde,<\/p>\n<p>ich bin Norbert Hense, 30 Jahre alt und Stadtrat in Kehl. Nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung zum Technischen Assistenten habe ich mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg mit 24 Jahren erlangt und im Anschluss in Freiburg Politikwissenschaften und Geschichte studiert.<\/p>\n<p>Ich schlie\u00dfe im Moment meinen Politik-Master ab und arbeite in Teilzeit in der Redaktion des Kundenmagazins beim \u00f6ko-sozialen Versandh\u00e4ndler Waschb\u00e4r. Davor war ich mehrere Jahre im Fahrdienst f\u00fcr Demenzerkrankte t\u00e4tig. Au\u00dferdem bin ich ehrenamtlicher Jugendsch\u00f6ffe beim Landgericht Offenburg und Vorsitzender des DRK in Kehl.<\/p>\n<p>Normalerweise h\u00e4tten wir uns f\u00fcr die Bestimmung der Kandidierenden f\u00fcr den Landtag am 13. M\u00e4rz getroffen. Heute, 4 Monate sp\u00e4ter, kommen wir nun endlich daf\u00fcr zusammen. 4 Monate, die uns alle ganz individuell getroffen haben. Viele von uns wurden oft auch hart getroffen. Hier denke ich besonders an Familien, die Kinderbetreuung und berufliche T\u00e4tigkeit vereinbaren mussten und damit oft an ihre Grenzen kamen. Nicht nur weil die \u00f6ffentliche Betreuung weggefallen ist, sondern auch, weil wir durch das Virus gezwungen waren Distanz zu unseren sozialen Strukturen, wie Familien und Freunden, zu halten.<\/p>\n<p>Aber nicht nur individuell hat uns die Krise getroffen &#8211; auch politisch hat diese nicht nur die letzten Monate gepr\u00e4gt, sondern wird uns auch noch nach der Pandemie besch\u00e4ftigen. Die Bundes- und auch die Landesregierung haben massiv investiert, was die Haushaltsplanungen in den n\u00e4chsten Jahren deutlich schwieriger machen wird. Auch sind die wirtschaftlichen Auswirkungen noch nicht final abzusehen. Auch das Handeln in der Krise selbst, wird zu reflektieren sein.<\/p>\n<p>Wenn wir \u00fcber die F\u00f6rderung von Wirtschaft reden, m\u00fcssen wir aber gerade jetzt, wo die Investitionen so oder so n\u00f6tig sind, darauf bestehen, dass sie nachhaltig, \u00f6kologisch und sozial sind. Technologien die dem Planeten irreparablen Schaden zuf\u00fcgen, sind nicht der Weg aus der Coronakrise, sondern der Weg in die n\u00e4chste Krise: Die Klimakatastrophe!<\/p>\n<p>Und diese Klimakatastrophe ist eben weiterhin im Gang: Jahr um Jahr schreiben wir Temperaturrekorde. Die Gletscher und die Arktis schmelzen, die Sommer sind staubtrocken. Extremwetterereignisse werden mehr und heftiger, der Amazonas und Australien brennen. Es stimmt also: Wir sind die erste Generation, die die Auswirkungen des Klimawandels bereits sp\u00fcrt.<\/p>\n<p>Gerade im Pazifikraum werden den Menschen durch die Klimaver\u00e4nderungen ihre Lebensgrundlagen genommen. Die Menschen k\u00e4mpfen dort verzweifelt gegen den Klimawandel an und sehen sich inzwischen konfrontiert mit Pl\u00e4nen zur Umsiedelung, weil ihre Heimat versinkt und durch die Versalzung von Grundwasser das Trinkwasser verschwindet. Fast alle pazifischen Inselstaaten haben solche Migrationspl\u00e4ne und bereiten ihre Bev\u00f6lkerung darauf vor irgendwann ihre Heimat verlassen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Eine Ausnahme bildet Tuvalu. Dort wollen die Menschen eine Umsiedlung nicht akzeptieren und pochen auf die Einhaltung des 1,5-Grad-Zieles. Ich finde: Sie haben Recht und verdienen unsere Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>So wie wir die erste Generation sind, die die Auswirkungen des Klimawandels bereits sp\u00fcrt, so sind wir die letzte Generation, die ihn noch abwenden kann. Daher freue ich mich auch \u00fcber die vielen jungen Menschen, die sich bei Fridays for Future engagieren und auf den immer weiter steigenden Handlungsdruck hinweisen und endlich die Klimapolitik einfordern die unser Klima wirklich retten kann.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist dabei, wie diese Bewegung zum Einen die Behauptung, dass die Jugend f\u00fcr nichts mehr stehe und desinteressiert sei, L\u00fcgen straft und zum Anderen zeigt, wie man ohne erhobenen Zeigefinger und absolut an den naturwissenschaftlichen Fakten orientiert, seine Ziele einfordern kann.<\/p>\n<p>Spannend finde ich, dass die Gegner von Fridays for Future und Greta Thunberg selbst gar keine Ideen formulieren und offenbar deren Minimalforderung, n\u00e4mlich das Pariser Klimaschutzabkommen mit Leben zu f\u00fcllen, bereits als radikalen Akt ansehen.<\/p>\n<p>Als Gegenargument, wenn es mal konkret wird, hei\u00dft es immer &#8222;Aber die Freiheit!&#8220;. Aber: Freiheit ist nicht, als St\u00e4rkere zum Nachteil von anderen tun und lassen zu k\u00f6nnen, was man m\u00f6chte. Denn was soll diese Freiheit denn wert sein, wenn sie nur f\u00fcr wenige gelten soll? Unter dem Begriff der Freiheit werden hier nur die eigene Bequemlichkeit und die eigenen Privilegien verteidigt!<\/p>\n<p>Und diese Argumentation &#8222;Aber die Freiheit!&#8220; zeigt ja, warum diese Bewegung so angegriffen wird. Thunberg segelt nach New York. Und ihre Gegner tadeln voller Hochmut: &#8222;Alles nur PR!&#8220;, &#8222;Wir k\u00f6nnen doch nicht alle segeln!&#8220; Und so weiter. Aber w\u00e4re sie ganz normal geflogen, h\u00e4tte man sich genauso echauffiert: &#8222;Seht her: Die fliegt doch auch!&#8220; h\u00e4tten sie gerufen.<\/p>\n<p>Das alles macht deutlich: Es geht nicht um Thunberg. Es geht darum, dass unsere bisherigen Lebensweisen hinterfragt werden. Und dabei geht es gar nicht darum jedem einzelnen den Vorwurf zu machen, dass er selbst und seine Generation zu wenig getan haben, sondern es geht darum, dass wir jetzt umsteuern m\u00fcssen. Und je l\u00e4nger wir warten, desto schmerzhafter m\u00fcssen die Ma\u00dfnahmen werden. Das Klima wartet aber nicht auf uns!<\/p>\n<p>Und wenn es um konkrete Forderungen geht, dann finde ich es auch unlauter Menschen mit wenig Geld und Einkommen gegen Ma\u00dfnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz auszuspielen. Denn geht es um effektive Klimaschutzma\u00dfnahmen wie h\u00f6here Flugpreise, entdecken Union, FDP &amp; Co scheinbar pl\u00f6tzlich ihre sozialpolitischen Ambitionen. Das ist so scheinheilig wie durchschaubar wie l\u00e4cherlich.<\/p>\n<p>Bei anderen Themen finde ich die Scheinheiligkeit der Debatten sogar noch schlimmer: Bei Fl\u00fcchtlingen sagen die Rechten dann \u201eWarum kriegen die Hilfe und nicht die Obdachlosen?\u201c Aber wer sagt, dass wir uns keine Fl\u00fcchtlinge &#8222;leisten&#8220; k\u00f6nnen, der kommt morgen vielleicht auch auf die Idee, dass wir uns auch andere Gruppen nicht &#8222;leisten&#8220; k\u00f6nnen. Bei Obdachlosen sagt man dann \u201eNiemand muss obdachlos sein, es gibt doch Hartz 4!\u201c Bei Hartz4-Empf\u00e4ngerinnen und -empf\u00e4ngern sagt man dann \u201eWarum arbeiten die nicht? Die liegen ja nur faul rum!\u201c Irgendwann sind dann vielleicht auch Menschen mit Behinderungen zu &#8222;teuer&#8220;?<\/p>\n<p>Wer Menschen zum Kostenfaktor degradiert, hat doch selbst seine Menschlichkeit bereits verkauft.<\/p>\n<p>In Wirklichkeit geht es dann auch gar nicht um die einzelnen Gruppen, sondern um die Entsolidarisierung unserer Gesellschaft. Und wir Gr\u00fcne stellen dem ein positives Menschenbild gegen\u00fcber, das auf ein Miteinander statt Gegeneinander beruht! Dieses Miteinander m\u00f6chte ich im Landtag als Abgeordneter gegen diese Angriffe von Rechts verteidigen!<\/p>\n<p>Mein Ziel ist es \u00d6kologie und Digitalisierung zusammenzubringen. F\u00fcr mich ist das kein Widerspruch, sondern die Digitalisierung kann Dienstleister f\u00fcr die \u00d6kologie werden. Ich m\u00f6chte, dass die Menschen sich zuk\u00fcnftig keine Gedanken mehr \u00fcber die Tarifstruktur im \u00d6PNV machen m\u00fcssen, sondern einfach einsteigen und losfahren. Mit einer Chipkarte wird ausgelesen, wo man aus- und eingestiegen ist. Je nach Streckenverlauf wird am Ende das Konto mit dem g\u00fcnstigsten Tarif belastet. Das kann dann mal der Einzelfahrschein sein, mal die Wochenkarte und mal das Monatsticket. Je nachdem, wie stark man das Angebot genutzt hat.<\/p>\n<p>Diese Daten kann man dann nat\u00fcrlich &#8211; selbstverst\u00e4ndlich anonymisiert &#8211; nutzen, um den \u00d6PNV besser an die Bed\u00fcrfnisse der Menschen anzupassen. Welche Wege nutzen sie wann? Wo macht es Sinn den Takt zu erh\u00f6hen? Auf welchen Linien sollte man welche Fahrzeuge einsetzen?<\/p>\n<p>Man kann mit Live-Daten sogar die Auslastung und Position von Bus und Bahn anzeigen. Wer flexibel ist, kann diese Informationen nutzen und fr\u00fcher oder sp\u00e4ter fahren oder einen versp\u00e4teten Zug oder Bus gerade noch erwischen.<\/p>\n<p>Inzwischen gibt es zum Beispiel Apps, mit der die Ersthelfer &#8211; beispielsweise unsere gut ausgebildeten Ehrenamtlichen beim DRK &#8211; durch die Notruf-Leitstelle alarmiert werden k\u00f6nnen, um so im Falle von Reanimationen m\u00f6glichst schnell zu sein, weil gerade dort jede Sekunde z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Daten zu nutzen und zu demokratisieren ist dabei auch wichtig, um Nachhaltigkeit zu erh\u00f6hen. Klar: In erster Linie geht es um Transparenz und Partizipation, gerade in politischen Fragen. Doch der 3D-Druck zeigt schon, wohin es gehen k\u00f6nnte. Findige Menschen erstellen Druckdateien, um Verschlei\u00dfteile selbst zu produzieren.<\/p>\n<p>Auch w\u00e4hrend dem H\u00f6hepunkt der Coronakrise haben engagierte Menschen begonnen mit 3D-Druckern Beatmungsmaschinen zu bauen. So wurde aus einer oft als Spielerei wahrgenommenen Technologie, eine lebensrettende Technologie. Wir m\u00fcssen daher dar\u00fcber reden, inwiefern wir offene Formate st\u00e4rker f\u00f6rdern und Unternehmen auch verpflichten f\u00fcr Ger\u00e4te, die nicht mehr hergestellt werden, oder die eine bedeutende gesellschaftliche Funktion haben, ihre Informationen frei zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>Digitalisierung ist auch gerade bei der Bildung und Wissensvermittlung wichtig. Die letzten Monate haben oft schmerzhaft offenbart wie abh\u00e4ngig unser Bildungs- und Schulsystem von Einzelnen ist. An vielen Schulen gab es engagierte Lehrerinnen und Lehrer die technische und p\u00e4dagogische Voraussetzungen f\u00fcr ein Lernen von Zuhause f\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler geschaffen haben. Aber dort wo diese technische Expertise fehlte, lief es eben nicht so innovativ und es gab nur Aufgabenbl\u00e4tter per E-Mail. Ich finde: So wie jede Schule einen Hausmeister hat, so braucht auch jede Schule einen IT-Administrator!<\/p>\n<p>Aber auch Zuhause bei den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern muss sich noch etwas tun: Noch gibt es eine Abh\u00e4ngigkeit von den finanziellen Bedingungen der Eltern, da helfen auch 150 Euro als \u201cSofortausstattungsprogramm\u201d in der Coronakrise von der Bundesregierung nicht. Ich finde: Digitale Lernmittel m\u00fcssen wir wie klassische Lernmittel behandeln, sie sichern die Teilhabe in der sich digitalisierenden Bildungslandschaft!<\/p>\n<p>Aber auch Universit\u00e4tsbibliotheken und Mediatheken haben oft nur ein oder wenige Exemplare. Gerade bei Standard-Werken sind hier digitale Versionen wichtig. Gerade Menschen, die nicht viel Geld f\u00fcr teure Fachb\u00fccher haben, kann man so Wissen verf\u00fcgbar machen. Quasi der Wikipedia-Gedanke: Das Wissen der Welt f\u00fcr alle &#8211; egal, wie reich oder arm man ist.<\/p>\n<p>Im Amsterdamer Rijksmuseum hat man die Restauration des Bildes &#8222;Die Nachtwache&#8220; von Rembrandt live ins Netz gestreamt und es so geschafft &#8211; mit Social Media-Begleitung &#8211; diese wichtige Kulturarbeit der Restaurateure vielen Menschen zu vermitteln und zu zeigen, wie man Kultur pflegt und bewahrt.<\/p>\n<p>Und da hinken wir hinterher: In vielen L\u00e4ndern ist das alles schon Normalit\u00e4t. In Estland beispielsweise muss man, dank moderner digitaler Verwaltung, nur noch f\u00fcr 3 Dinge auf das Rathaus: Hochzeit, Scheidung, Hauskauf.<\/p>\n<p>Es wird Zeit, dass wir dies alles auch in Deutschland haben und diese Chancen nutzen, um das Leben unserer B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zu verbessern. Und wo w\u00fcrde das denn nicht besser gelingen als im Erfinderland Baden-W\u00fcrttemberg?<\/p>\n<p>Vor einigen Monaten noch hatten wir sensationelle Umfragewerte von 38 Prozent. Heute mag manch einer von uns etwas ern\u00fcchtert sein, aber es zeigt sich eben doch: Unsere Themen sind in der Bev\u00f6lkerung angekommen und man traut uns zu diese zu bearbeiten.<\/p>\n<p>Wie einige von euch sicher wissen, engagiere ich mich in den beiden Landesarbeitsgemeinschaften Medien- und Netzpolitik sowie Demokratie, Recht und Innere Sicherheit.<\/p>\n<p>Im Landtag m\u00f6chte ich mich daher f\u00fcr eine b\u00fcrgernahe Polizei einsetzen. Dazu geh\u00f6rt f\u00fcr mich die Einf\u00fchrung der Kennzeichnungspflicht, sodass Polizisten, denen ein Fehlverhalten nachgewiesen werden kann, auch daf\u00fcr Verantwortung \u00fcbernehmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Mit Misstrauen hat das nichts zu tun. Im Gegenteil st\u00e4rkt eine andere Fehlerkultur bei der Polizei das Vertrauen in diese. Damit Fehler gar nicht erst passieren, muss die Polizei aber auch personell besser ausgestattet werden, um die einzelnen Beamten zu entlasten.<\/p>\n<p>Gerade in Kehl wissen wir, wovon wir reden. Allein mit dem \u00dcbertragen einiger Aufgaben an die Ortspolizeibeh\u00f6rden und den kommunalen Ordnungsdiensten wird man die Belastung nicht ausreichend senken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Daher ist es gut und richtig, dass mehr Polizeistellen und Ausbildungskapazit\u00e4ten geschaffen wurden. Mit der Erweiterung der Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen sowie der Einstellungsoffensive mit 1.600 Stellen geht die Gr\u00fcn-Schwarze Landesregierung den unter Gr\u00fcn-Rot bereits eingeschlagenen Weg konsequent weiter.<\/p>\n<p>Im Hinblick auf die kommenden Pensionsabg\u00e4nge m\u00fcssen wir hier weiter dran bleiben. Das wird die n\u00e4chste Herausforderung. Dabei d\u00fcrfen die Anforderungen an Polizisten nicht beliebig gesenkt werden &#8211; es gibt diese Debatten ja immer bei den Sport- oder Deutschtests, weil dort die Durchfallquoten am H\u00f6chsten sind. Polizist zu sein ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Wir k\u00f6nnen hier nicht unbegrenzt von der Qualit\u00e4t abr\u00fccken!<\/p>\n<p>Was aber auch zur Personalentwicklung bei der Polizei geh\u00f6rt, ist dass die Polizei diverser wird. Insbesondere m\u00fcssen wir f\u00f6rdern, dass mehr Menschen mit Migrationshintergrund den Polizeidienst w\u00e4hlen. Nicht nur, dass eine diverse Struktur auch vor Radikalisierung sch\u00fctzt, sie st\u00e4rkt auch das Vertrauen von Menschen ohne deutsche Wurzeln in die Polizei.<\/p>\n<p>Die Vorf\u00e4lle zu Jahresbeginn in der Polizeihochschule zeigen uns auch, dass wir die Ausbildung im Bereich Demokratiebildung st\u00e4rken m\u00fcssen. Die Werte die sp\u00e4ter in unserer Gesellschaft von den Beamtinnen und Beamten verk\u00f6rpert werden sollen, m\u00fcssen schon Teil der Ausbildung sein. Auch muss eine Sensibilisierung f\u00fcr rechtsextreme Ph\u00e4nomene gef\u00f6rdert und deren Normalisierung verhindert werden.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt macht mir dieses Erstarken von Rechts gro\u00dfe Sorge. Einerseits hatten und haben wir mit dem NSU oder der Gruppe-S rechtsextreme Terrorzellen zu tun. Die sich Bewaffnen, die sich teilweise auf einen von ihnen gew\u00fcnschten &#8222;B\u00fcrgerkrieg&#8220; vorbereiten und die ganz offen diesen Staat mit Gewalt abschaffen wollen.<\/p>\n<p>Und dann kommt noch eine neue Erscheinung hinzu: Die scheinbaren Einzelt\u00e4ter die oft vor dem heimischen Rechner strukturiert radikalisiert werden!<\/p>\n<p>Im Netz breiten Rechtsradikale ihre menschenverachtende Ideologie aus und verbinden diese geschickt mit Verschw\u00f6rungsmythen. Dabei spielt ihnen oft auch die AfD in die H\u00e4nde, die teilweise Begriffe und Codes nutzt die in der rechten Szene genau verstanden werden und signalisieren \u201cWir geh\u00f6ren zu euch\u201d.<\/p>\n<p>Verschw\u00f6rungsmythen sind ein Brandbeschleuniger f\u00fcr Radikalisierung. Wer glaubt, die Regierung w\u00fcrde von b\u00f6sen M\u00e4chten &#8222;gesteuert&#8220; werden und verfolge einen geheimen Plan, der zieht sich aus dem politischen Prozess zur\u00fcck. In rechtsextremen Zirkeln wird ausdr\u00fccklich mit Bezug auf Verschw\u00f6rungsmythen die Anwendung von Gewalt gegen Andersdenkende als &#8222;letzte Option&#8220; verkauft. Die Argumentation lautet: Wenn alles eh ein abgekartetes Spiel sei, w\u00e4re Gewalt eben eine Art &#8222;Notwehr&#8220;.<\/p>\n<p>Verschw\u00f6rungsmythen sind der Klebstoff, der weite Teile der rechtsextremen Szene zusammenh\u00e4lt. Je weiter die Radikalisierung fortschreitet, desto schwieriger wird es zu derart manipulierten Menschen durchzudringen. Sie sehen die Welt zunehmend durch die Brille der Verschw\u00f6rungsideologie.<\/p>\n<p>Das bedeutet: Sie sehen pl\u00f6tzlich Feinde, wo vorher Mitmenschen waren. Wir haben es, beispielsweise in Hanau, also nicht mit einem &#8222;verwirrten Einzelt\u00e4ter&#8220; zu tun. Diese Tat ist das Produkt einer ganz bewusst in der extremen Rechten genutzten Strategie zur Radikalisierung von Anh\u00e4ngern. Das sind politisch motivierte Anschl\u00e4ge. Begangen von einem Rechtsextremisten.<\/p>\n<p>Zum Thema, dass solche Taten von &#8222;Kranken&#8220; ver\u00fcbt werden: Lasst uns Rechtsextremismus bitte nicht pathologisieren. Tut den Brandstiftern nicht den Gefallen.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen rechte Strukturen langfristig schw\u00e4chen: Mehr in Aussteigerprogramme investieren und soziale Absicherung st\u00e4rken. Auch der Ermittlungsdruck auf die \u00fcber 400 mit Haftbefehl gesuchten und abgetauchten Rechtsextremisten muss erh\u00f6ht werden.<\/p>\n<p>Rechte zu schw\u00e4chen muss auch mit der St\u00e4rkung der Demokratie einhergehen. Hier hat auch jeder Abgeordnete Verantwortung. Hochkomplexe parlamentarische Entscheidungen m\u00fcssen besser erkl\u00e4rt werden &#8211; welche Wege haben zu dieser Entscheidung gef\u00fchrt? Welche Motivation hat mich angetrieben? Das sind Fragen die ich den B\u00fcrgern beantworten m\u00f6chte. Pers\u00f6nlich, aber auch \u00fcber Blogbeitr\u00e4ge und Social Media.<\/p>\n<p>Ich finde, dass ein Abgeordneter dahin muss, wo die Leute sind und uns moderne Medien hier eine enorme Chance bieten. Diese Chance will ich nutzen, um mit den Menschen \u00fcber Politik ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Aber sie sind nat\u00fcrlich nicht der einzige Weg, auch die klassische Wahlkreisarbeit bleibt essentiell. Gerade als DRK-Vorsitzender, wei\u00df ich wie wichtig die Vernetzung durch die pers\u00f6nliche Begegnung ist.<\/p>\n<p>Transparenz hei\u00dft f\u00fcr mich auch, dass ich als Abgeordneter meine Eink\u00fcnfte auf den Cent genau offen lege. Auch eventuelle Nebeneink\u00fcnfte, Geschenke und Lobbytreffen werde ich ver\u00f6ffentlichen und daf\u00fcr k\u00e4mpfen, dass das Abgeordnetengesetz ge\u00e4ndert wird und dies verpflichtend wird. Nur Transparenz kann den Vertrauensverlust in Politik verringern.<\/p>\n<p>Kurzum: Warum stehe ich hier? Ich m\u00f6chte Digitalisierung und \u00d6kologie zusammenbringen und neue Themen gr\u00fcn besetzen. Deshalb m\u00f6chte ich unsere Abgeordneten Thomas und Sandra als Umwelt- und Verkehrs- sowie Bildungs- und Wirtschaftspolitiker*innen erg\u00e4nzen. Ich habe Lust auf Zukunft: Als junger Mensch m\u00f6chte ich den Landtag daher vielf\u00e4ltiger machen, weil ich davon \u00fcberzeugt bin, dass ein Parlament alle Blickwinkel braucht, um gute Entscheidungen treffen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich finde:<br \/>\nWir Gr\u00fcnen haben Werte, die Orientierung geben.<br \/>\nWir haben eine Haltung, die Vertrauen schafft.<br \/>\nWir haben Ideen, die L\u00f6sungen bieten und<br \/>\nwir haben Personal, das \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Ich hoffe nun euch \u00fcberzeugt zu haben, bitte um euer Vertrauen und freue mich auf einen fulminanten Wahlkampf gemeinsam mit euch!<\/p>\n<p>Danke!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist das Manuskript* meiner Rede, die ich auf der Nominierungsveranstaltung im Landtagswahlkreis Kehl gehalten&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":-1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-42446","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/norbert-hense.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42446","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/norbert-hense.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/norbert-hense.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/norbert-hense.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/norbert-hense.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=42446"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/norbert-hense.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42446\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":42453,"href":"https:\/\/norbert-hense.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42446\/revisions\/42453"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/norbert-hense.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=42446"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/norbert-hense.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=42446"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/norbert-hense.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=42446"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}